Warschau ist im gesamteuropäischen Maßstab eine junge Stadt. Lediglich die mauerbewehrte kleine Altstadt sowie die im Norden liegende Neustadt gehen auf das Mittelalter zurück. Erst die Verlegung des Königshofes aus Krakau nach der Rückkehr Sigismunds III. Wasa von einem Russland-Feldzug 1611 ließ die südlich und westlich angrenzenden Gebiete der Stadt von einem ersten wahren Bauboom erfassen, da der Großadel in der Nähe des Königs und des Parlaments ("Sejm") seine Residenzen haben wollte. Überdies gründeten die Adligen außerhalb der ab 1621 gezogenen Bastionslinie die sog. Juridiken, Privatstädte mit eigener Verwaltung, die im Stadtplan bis heute z.B. an dem dreieckigen pl. Grzybowski erkennbar sind (gut sichtbar ist die nahe gelegene No¿yk-Synagoge, heute die einzig erhaltene Synagoge Warschaus).
Die schnurgerade Sächsische Achse, die von der Krakauer Vorstadt über den Sächsischen Garten weiter gen Westen gezogen wurde, ist das Werk keines geringeren als Karl Friedrich Pöppelmanns, des Erbauers des Dresdner Zwingers. Heute ist sie kaum erkennbar, da 1970 das 1939 abgebrannte Palais Lubomirski (um 1760, Portikus 1791-93) auf 16 Metallgleisen um 78 Grad verschoben wurde und nun den vorzeitigen Abschluss der großen Achse bildet. Westlich davon sind die Mirów-Hallen aus den Jahren 1899-1902 sichtbar. Sie überdauerten den Krieg, anders als die Kaufhalle auf dem plac Kazimierza Wielkiego, die samt Platz in der Nachkriegszeit einer großen Druckerei weichen musste. Weiter westlich liegt der Stadtteil Wola, von der Stadtmitte damals durch die Bahngleise abgetrennt; hier wurden im 17. und 18. Jh. auf einem riesigen Feld die Könige des Landes gewählt. Die Industriebebauung des Viertels ging in den ersten Augusttagen 1944 im Warschauer Aufstand in Flammen auf. In die Zehntausende geht die Zahl der Opfer unter der Zivilbevölkerung - in Erinnerung an all diejenigen entstand 2004 in dem sichtbaren Gebäude des Straßenbahn-Depots das Museum des Warschauer Aufstandes.