Masterclass: Sicherheit - Recht - Gewalt. Ostmitteleuropäische Raumordnungskonzepte der Zwischenkriegszeit (1918-39)

Die Neuordnung Ostmitteleuropas nach dem Ersten Weltkrieg wurde in der Forschung als eine Zeit des "Aufbruchs der Demokratie" beschrieben. Doch gerade in dieser Region waren die Nachkriegsjahre geprägt von Gewalt als Mittel der Herrschaftssicherung. Die Bildung und Konsolidierung souveräner Nationalstaaten wurde begleitet durch eine Anzahl von Nachfolgekriegen, in denen militärische und paramilitärische Gewalt als Mittel zum Zweck der Sicherung des beanspruchten Territoriums und gegen die Ansprüche anderer Akteursgruppen eingesetzt wurde. In dem Maße, wie Recht dabei als Gewalteinhegungsinstrument dienen sollte, so konnte es im Zuge von Normtransformationen aber auch erheblichen Widerspruch und seinerseits neue Gewalt evozieren. Den zahlreichen Unsicherheiten beim Aufbau der neuen Staaten wurde mit ebenso diversen Strategien der Absicherung politischer, rechtlicher, sozialer oder kultureller Ordnungen und Räume begegnet.Bei dem geplanten Workshop sollen die Wechselwirkungen von Sicherheit, Recht und Gewalt im Ostmitteleuropa der Zwischenkriegszeit näher beleuchtet werden, indem die Forschungsergebnisse des Prager GA ČR-Projektes "Násilí ve střední Evropě za první světové války a v poválečné době. Srovnání rakouských a českých zemí" mit den Teilprojekten A05 und A06 des SFB/TRR 138 "Dynamiken der Sicherheit" (Gießen/Marburg) in Bezug gesetzt werden.

Programm

Freitag, 16. Dezember 2016

17:00 Uhr // Grußwort

  • Hans-Jürgen Bömelburg (Gießen)

17:15 Uhr // Keynote

  • Postimperiales Recht in Ostmitteleuropa. Wie historisiert man Rechtskulturen?

    Claudia Kraft (Siegen)

Samstag, 17. Dezember 2016

09:15 Uhr // Einführung

  • Sicherheitsräume. Räumliche Dimensionen von Versicherheitlichung am Beispiel Ostmitteleuropas in der Zwischenkriegszeit 
    Peter Haslinger (Marburg)

09:30-10:30 Uhr // Panel I

  • Murder: Interpersonal Violence Between Empire and Republics in Bohemia and Austria 1914-1922
    Rudolf Kučera (Prag)
  • Koexistenz ohne Gewalt!? Die Podkarpatská Rus als Unsicherheitsregion in der Perspektive tschechischer Regierungsbeamter
    Sebastian Paul (Marburg)
  • Diskussion
    Chair: Florian Danecke

10:45-11:45 Uhr // Panel II

  • Kollektive Gewalt in den Böhmischen Ländern und in Österreich 1914-1920
    Óta Konrad (Prag)
  • Enträumlichung Ostmitteleuropas durch Recht? (Trans)nationalisierende Strafrechtsdiskurse in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts
    Konstantin Rometsch (Gießen)
  • Diskussion
    Chair: Sebastian Paul

12:45-13:45 Uhr // Panel III

  • Sicherheit durch internationale Verrechtlichung. Das „Großrumänien“ der Zwischenkriegszeit und die Bewahrung des Status Quo im südosteuropäischen Raum
    Florian Danecke (Marburg)
  • Grenzen der Sicherheit vor Ort: Antistaatliche und antijüdische Gewalt sowie die ukrainische Nation als diskursive Argumente im öffentlichen Raum. Am Beispiel der Region Stanisławów in den 1930er Jahren
    Felix Heinert (Marburg)
  • Diskussion
    Chair: Konstantin Rometsch

13:45-14:15 Uhr // Abschlussdiskussion

  • Leitung: Eckart Conze (Marburg)