Konflikte und Konfliktlösungsmodelle in Industriestädten (1850-1939) im östlichen Europa

4.-5. Oktober 2018, Herder-Institut, Marburg, Vortragssaal

Im Zuge von Industrialisierungsprozessen bildeten neu entstandene Städte in konfessionell und ethnisch gemischten Regionen ein besonderes Umfeld für die Ausformung von Konflikten sowie für Konfliktlösungsstrategien: Da alle Migranten neu in die meist jungen Boomstädte kamen, entwickelten sich Vorstellungen und Konzepte eines Neuanfangs für alle und eines Schmelztiegels für die neuen Stadtgesellschaften. Soziale Konflikte unter den Migranten der ersten und zweiten Generation besaßen häufig stärkeres Gewicht als religiöse, sprachliche und ethnische Konflikte. Zugleich fürchteten Anhänger moderne Nationalismen solche „entnationalisierten“ Stadtgesellschaften, flüchteten sich in Stadtkritik und lancierten Konzepte, wonach „fremde“ Zuwanderer nur „Gaststatus“ besäßen. Aus diesen Konstellationen erwuchs ein besonderes Verständnis von Urbanität, das auf Konfliktlösungsmodelle rückwirkte.

Was bedeutet das für Konfliktkonstellationen in solchen Industriestädten? Entwickelten sich diese erst verspätet und kamen zunächst als soziale Konflikte zum Ausdruck? Unter welchen Rahmenbedingungen wurden soziale Konfl ikte in welchen Ausprägungen in ethnische Konflikte überführt? Inwieweit besaßen Schmelztiegelkonzepte Relevanz und wie wurden sie ins 20. Jahrhundert transformiert? Unter welchen Bedingungen konnten Konfl ikte erkalten, sogar gelöst werden oder bis in die Gegenwart fortdauern? Die interdisziplinäre Konferenz legt einen Schwerpunkt auf ostmitteleuropäische Industriestädte (beispielsweise Lodz als Textilstadt, die Eisenbahnknotenpunkte Daugavpils und Minsk als Eisenbahnknotenpunkte und Industrialisierungszentren, Boryslav und Drohobyczals sowie Zentren der Erdölindustrie, Salgótarján als Bergbau- und Stahlindustriestadt u.a.m.) zwischen 1850 und 1939, also in der Hochphase ihrer Entwicklung.

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