Neubeginn oder Kontinuität? Zur Karriere des Marburger Osteuropahistorikers Peter Scheibert (1915-1995)

Flyer zur Veranstaltung

2017/02/21

Peter Scheibert, der von 1961 bis 1981 den Lehrstuhl für Osteuropäische Geschichte an der Philipps-Universität Marburg innehatte, stellt sich der Nachwelt als eine Figur deutlicher Ambivalenzen dar. Einerseits Mitglied der Waffen-SS und im Zweiten Weltkrieg im Kunst- und Kulturgutraub in der Sowjetunion tätig, galt er andererseits als streitlustiger, Utopien zugetaner Kopf, den seine Vergangenheit jedoch spätestens mit der Studentenbewegung in Marburg einholte. Scheibert scheint für eine kritische Untersuchung der Verstrickung von Historikern in das nationalsozialistische Regime besonders geeignet, da man an seinem Werdegang Kontinuitäten und Brüche gerade innerhalb der Osteuropäischen Geschichte besonders gut nachvollziehen kann. Die Lesung behandelt die Fragen der institutionalisierten deutschen „Ostforschung“, gerade vor dem Hintergrund der Gründung des Herder-Instituts, die Rolle Scheiberts in diesem Zusammenhang sowie den Umgang mit seiner eigenen Vergangenheit während seiner Zeit als Hochschullehrer.

Dr. Esther Abel hat u.a. in Marburg und London Osteuropäische Geschichte, Slawische Literaturwissenschaft und Germanistik studiert und wurde 2015 in Bochum bei Prof. Stefan Plaggenborg promoviert. Derzeit arbeitet sie als freie Mitarbeiterin in der Gedenkstätte Hadamar, wo sie mit dem Aufbau einer Gedenkstättendokumentation betraut ist. Des Weiteren forscht sie zu marginal beachteten Opfergruppen des NS-Regimes, wie etwa „Asoziale“, „Berufsverbrecher“, Obdachlose oder Prostituierte.