Der Komponist Zygmunt Mycielski: Ein Aristokrat im kommunistischen Polen. Tagebücher 1950-1970

Mitschnitt der Lesung

2018/06/26

Zygmunt Mycielski (1907-1987) war eine schillernde Persönlichkeit: Komponist und Spross einer hochadligen Familie, Musikpublizist und kritischer Beobachter seiner Gegenwart, weltläufiger Schöngeist und bekennender Homosexueller im kommunistischen Polen. Seine Tagebücher sind eine faszinierende Lektüre: Sie geben Einblicke in den schwierigen Alltag der 1950er und 1960er Jahre, kommentieren das überraschend vielfältige kulturelle Leben der Zeit und zeichnen das Lavieren eines Unangepassten nach, der sich seine Freiheiten trotz allgegenwärtiger Beschränkungen zu bewahren weiß. Mycielskis Beobachtungen und Selbstbeschreibungen sind ein spannendes Lesevergnügen, das Polens jüngere Vergangenheit in einem neuen Licht erscheinen lässt.

Nach einer Einführung in Leben und Werk des Autors werden aus den Tagebüchern Passagen vorgetragen, die politische Ereignisse kommentieren, den Warschauer Alltag und Reisen in die Sowjetunion und nach Frankreich beschreiben, aber auch das teils tragisch-groteske Leben hochadliger Verwandter unter der Arbeiter- und Bauernregierung treffend skizzieren.

Es lesen Matthias Barelkowski, der Übersetzer und Herausgeber der Tagebuchanthologie, sowie Dr. Peter Oliver Loew, der am Deutschen Polen-Institut in Darmstadt u.a. die Reihe „Polnische Profile“ betreut, in der das Buch erschienen ist.

Zygmunt Mycielski
Lesung zu Zygmunt Mycielski
Lesung zu Zygmunt Mycielski