Bollwerke in einem „religiösen Dreieck“. Grenzregionen-Mythen in osteuropäischen multikonfessionellen Gesellschaften

Internationale Tagung, Universität Münster 15.-17.5.2014

Grenzregionsmythen in osteuropäischen multikonfessionellen Gesellschaften im Zeitalter des Nationalismus stehen im Mittelpunkt einer internationalen Tagung am Exzellenzcluster „Religion und Politik“.

Historische Unterschiede zwischen Kulturen, ethnischen Gruppen und Religionen haben verschiedene Debatten über Zivilisation und Barbarei, der Missionen und Identifikationen als „auserwähltes Volk“ in der Region beeinflusst. Antemurale, also Bollwerk-Mythen, sind nach Angaben der Veranstalterinnen ein Phänomen von Grenzregionen. Sie sollten die Zugehörigkeit einer bestimmten Gruppe zu einer größeren vermeintlich „entwickelten“ und „zivilisierten“ Gemeinschaft zeigen, in Abgrenzung zu den Nachbarn.

Das Konzept der „antemurale christianitatis“ hat seine Wurzeln im 15. Jahrhundert und erreichte seinen Höhepunkt während der anti-osmanischen Kriege im 16. und 17. Jahrhundert. Die Idee eines „Bollwerks“ gegen die vermeintliche muslimische Bedrohung verbreitete sich in der frühen Neuzeit bis nach Kroatien, Ungarn, Venedig, der polnisch- litauischen Union und in die Länder der Habsburger Monarchie. Von Anfang an war die (Selbst-)Definition der „antemurale“ meist auf die katholischen Länder beschränkt. Obwohl typisch für die christlich-islamischen Grenzen, haben sich „antemurale“-Mythen auch in Regionen gebildet, in denen verschiedene christliche Konfessionen aufeinandertreffen. Hier wurde die Gegenüberstellung von „Zivilisation“ und „Barbarei“ oft mit Reflexionen über den „wahren Glauben“ verbunden. Auf diese Weise trugen antemurale-Mythen als Legitimationsquelle zu verschiedenen Arten von missionarischen Aktivitäten (religiöse, politische und kulturelle) bei.

Ort: Universität Münster

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