Ethnizität als Analysekategorie der Ostmitteleuropaforschung

Jahrestagung des Johann Gottfried Herder-Forschungsrates, 6.-7. Dezember 2013, Marburg

Anknüpfend an seine vergangenen Jahrestagungen zu „transnationalen Regionen“ und „transnationalen Verflechtungen“ hat der Herder-Forschungsrat unter der wissenschaftlichen Leitung von Jörg Hackmann seine Reihe von interdisziplinären Erörterungen zentraler Konzepte und Kategorien der Ostmitteleuropaforschung fortgesetzt. Dabei wurden der Begriff und das Konzept „Ethnizität“ als Analysekategorie in unterschiedlichen Wissenschaften und als längst populäre gesellschaftliche Deutungsebene in den Vordergrund gestellt. Die Erforschung von Ethnizität, pluriethnischen Verhältnissen und interethnischen Beziehungen zählt zu den dominierenden Themen der geistes- und sozialwissenschaftlichen Beschäftigung mit Ost(mittel)europa. Während Nation, Nationalität und Nationalismus mittlerweile als historisierbare soziale Konstruktionen betrachtet werden, scheint das für Ethnizität nicht in gleichem Maße zu gelten. Es gibt Bereiche, in denen Ethnizität häufig und oft unhinterfragt als Analyse- oder Referenzkategorie verwendet wird: Das gilt etwa für urbane Räume, für Imperien, aber auch für „Volkskulturen“ sowie für vormoderne Migrationen ebenso wie für die Behauptung von kollektiven Identitäten oder die Austragung moderner Konflikte. Wenn Ethnizität als Konstruktion methodologisch in die Schranken verwiesen werden kann, dann folgt daraus die Frage, welche epistemologischen Kategorien an ihrer Stelle heranzuziehen sind. Die Jahrestagung ist dieser Frage mit Beiträgen aus der Geschichts- und der Kulturwissenschaft, Politologie, Soziologie und Geografie nachgegangen.