Untertanenpflicht im schlechten Wetter – die Generalerbhuldigung in Riga 1687

Generalerbhuldigung mit der Hochlebung des Königs, DSHI 520 Große Gilde Riga 73, p. 350
Letzte Seite des Berichts über die Generalerbhuldigung mit der Hochlebung des Königs als Schlussformel, DSHI 520 Große Gilde Riga 73, p. 350

Bei einem Herrscherwechsel im 17. Jahrhundert huldigten die Untertanen ihrem neuen König in Form eines eidlichen Treueversprechens. Da Herrschaft aber immer auf Gegenseitigkeit beruht, bekamen die Untertanen im Gegenzug, die Bestätigung ihrer Rechte, Freiheiten und Privilegien. Auch in Livland war das in schwedischer Zeit so der Fall. Üblich war es, dass die politisch wichtigen Stände, also die Ritterschaften und die größeren Städte wie Riga hierfür Deputationen nach Stockholm entsandten. Gruppen ohne politische Beteiligungsrechte, wie zum Beispiel die leibeigenen Bauern waren von diesem wie von vielen anderen politischen Akten ausgeschlossen. Die Abordnungen legten dort die jeweiligen Privilegien, eine Sammlung politischer Vor- und Beteiligungsrechte wie zum Beispiel das Indigenatsrecht, vor, erhielten deren Bestätigung und leisteten stellvertretend für ihre Körperschaft den Huldigungseid.

1687 aber verlangte Karl XI. eine Generalerbhuldigung, dass also alle politisch Partizipationsberechtigte persönlich den Treueeid leisten sollten. Hintergrund scheint die anstehende große Güterreduktion gewesen zu sein, ein umfassender Eingriff in die Landbesitzrechte in Livland durch die Krone, der auf entsprechend großen Widerstand stieß. Der König wollte seine Untertanen an ihre Verpflichtungen ihm gegenüber erinnern und hatte vermutlich den Gedanken, dass der persönliche Eid und das Versprechen von Gehorsam Wind aus dem Segel des Widerstands gegen die Güterreduktion nehmen würde.

Im Protokollbuch der Großen Gilde Rigas ist ein Bericht über den Vorgang erhalten, der zwar nicht die großen politischen Hintergründe, wohl aber den Fortgang des Festaktes beschreibt (DSHI 520 große Gilde Riga 73, p. 345-350):

Die gesamte Ritterschaft und Geistlichkeit des Landes kam zu diesem Ereignis in Riga zusammen. Da es sich um einen öffentlichen Akt im Freien handelte, musste der Beginn der geplanten großen Feierlichkeiten des schlechten Wetters wegen mehrere Tage lang immer wieder vom 19. bis zum 23. September 1687 verschoben werden. Die Huldigungsfeier begann mit einem großen Festgottesdienst im Dom, anschließend versammelten sich Ritterschaft, Geistlichkeit, Rat und Gilden der Stadt vor dem Rathaus, wo eine geschmückte Bühne bereitstand, auf der Generalgouverneur Jacob Johan Hastfer in Stellvertretung des Königs nacheinander die Huldigungseide der Ritterschaft, der Geistlichkeit und anschließend den des Rates und der beiden Gilden Rigas entgegennahm.

Nach dem Huldigungsakt begann die Party: die genannten politischen Stände wurden auf dem königlichen Schloss bei einem Festmahl bewirtet, unter Kanonendonner wurde auf die Gesundheit des Königs getrunken und auch das gemeine Volk wurde nicht vergessen: nach dem Abzug des Generalgouverneurs vom Rathausplatz „wurde die bühne dem pöbel preyßgegeben, welche sich umb daz rothe tuch lustig herumb zogen“ (ebd., S. 350). Zudem war beim Schloss ein Springbrunnen aufgestellt worden, aus dem Wein floss. Lediglich das Feuerwerk musste auf einen anderen Tag verschoben werden – es hatte wieder angefangen zu regnen.

 

Dr. Dennis Hormuth