Von Predigern und Knechten, Hebräern, Schiffbrüchigen und Hungernden, zwischen Kirchbau und Meineidssachen.

Zum Tode Kaiser Alexanders II. 1881: russisch, deutsch und lettisch. (Archivsignatur: DSHI 130 Saucken 4, Bl. 1).

Saucken (Kurland), seine Kirche und sein Pastoratsarchiv

Saucken (lettisch: Sauka) liegt in Kurland, genauer im östlichen Teil von Semgallen, rund 30 km südwestlich von Jakobstadt (lettisch: Jēkabpils). Kirche und Pastorat sind von den beiden Kronsgütern Alt- und Neu-Saucken sowie von dem Pfarrkirchspiel Saucken-Ellern zu unterscheiden. Eine eigene Kirche wurde in Saucken erst 1567, also nach der Reformation und sechs Jahre nach der Gründung des Herzogtums Kurland (1561) errichtet. Sie weist also in den Zusammenhang der von Gotthard Kettler gegründeten Kirchenorganisation für sein neues Herzogtum Kurland und Semgallen. Die Kirche galt schon 1596 als baufällig, wurde 1636 als Holzkirche wiedererrichtet, nach 1712 erneuert und 1805 abgerissen. 1825 wurde ein Steinbau mit 400 Sitzplätzen errichtet, der 1904 restauriert werden mußte. Die Kirche in Ellern war eine Filialkirche von Saucken.

In der DSHI, der Dokumentesammlung des Herder-Instituts, haben sich geringe Reste des Archivs des Pastorats Saucken erhalten. Zwischen 1968 und 2016, also im Verlaufe von fast 50 Jahren, konnten Splitter des Archivs zweimal aus unterschiedlichem Privatbesitz, einmal auch über den Antiquariatshandel erworben werden. Die Überlieferung der Akten liegt zur Zeit noch im Dunkeln; alle haben aber sicher einen gemeinsamen Ursprung. Dieser Vorgang beweist wieder einmal die Vorteile und Stärken eines Sammlungsarchivs, das über lange Zeiten hin seinem Auftrag treu bleiben kann. So können, wie es die DSHI schon oft erlebt hat, verschiedene Teile ursprünglich zusammengehöriger Archive, die durch die Brüche und Umbrüche des 20. Jhs. zunächst verschiedene Wege gehen mußten, wieder zusammengeführt und der Forschung an zentraler Stelle verfügbar gemacht werden.

Im Einzelnen handelt es sich um folgende Dokumente (Archivsignatur: DSHI 130 Saucken 1-4):

Kirchenrechnungsbuch 1753-1834; Befehle aus dem Kurländischen Kameralhof an
die Sauckensche Pastoratswidme 1803-1853, eine Beschreibung des Kirchbaus von 1825, sowie Befehle und Anordnungen an das Pastorat Saucken von verschiedenen geistlichen und weltlichen kurländischen Behörden 1807-1915. 

Der vorliegende Bestand ist von besonderer Bedeutung, weil er einmal nähere Angaben zur Geschichte des Pastorats und insbesondere zum Bau der Kirche bietet und weil er zum anderen für das 19. Jh. Einblicke gewährt in den Informationsfluß und die Verwaltungsabläufe zwischen den verschiedenen kurländischen Behörden (Kurländischer Kameralhof, Hauptmannschaft Friedrichstadt, Friedrichstädter Kreisgericht, Alt-Sauckensches Gemeindegericht, Kurländisches Evangelisches Konsistorium Mitau) einerseits und einem Pastorat andererseits.

Peter Wörster