1716 in Königsberg/Pr. geboren. - Zum 300. Geburtstag des Regierungsrats Christoph von Campenhausen.

Brief Christoph v. Campenhausens an den Bürgermeister von Dorpat Friedrich Konrad Gadebusch aus Riga vom Dez. 1778, also nach dem verheerenden Brand Dorpats, bezgl. der „Vorstellung der Stadt wegen der hölzernen Häuser“, die er – Campenhausen – im wesentlichen billigt und welche „den Kaiserlichen Absichten conform“ sei: „Es ist mir also so leicht als lieb gewesen, mich dafür zu verwenden.“ (Archivsign. DSHI 570 GGA 1171, 3, Nr. 371).

Die Geburtsstadt Königsberg war eher zufällig, da seine Mutter Margarethe, geb. Lilliegreen (1679-1733), als Erste Staatsdame der Zarin mit dieser und dem russischen Hof oftmals durch Europa reiste und die Kinder eben dort zur Welt kamen, wo sich die Zarin oder das Herrscherpaar gerade aufhielten. Johann Christoph v. Campenhausen (1716-1782) entstammte einer der bedeutendsten Adelsfamilien Livlands, die in den letzten Jahrzehnten der schwedischen Herrschaft von Stockholm aus ins Baltikum gekommen und vom König von Schweden 1675 nobilitiert worden waren und Güterbesitz in Livland erwerben konnten.

Sein Vater war der bekannte Generalleutnant Balthasar von Campenhausen (geb. Stockholm 1689, gest. St. Petersburg 1758), der zahlreiche hohe Ämter in Militär und Verwaltung innegehabt hatte und sogar russischer Generalgouverneur des besetzten Teils vom bis dahin ganz schwedischen Finnland geworden war. Er war der Gründer des Familienstammsitzes in Orellen und wohl der bedeutendste Anhänger der mit den Namen Francke (Halle) und Zinzendorf (Herrnhut) verbundenen pietistischen Bewegung im Baltikum und speziell im baltischen Adel.

Sein Sohn Christoph v. Campenhausen studierte Jura in Halle und unternahm ausgedehnte Reisen durch Frankreich, die Niederlande und England. Er bewährte sich in den Kriegen Rußlands gegen die Türken und gegen die Schweden. Seit 1743 konzentrierte er sich auf die ständische Selbstverwaltung in Livland und die Bewirtschaftung der eigenen Güter.

Mit 31 Archivalieneinheiten hat sich wohl ein beachtlicher Teil seines schriftlichen Nachlasses im Archiv der Familie von Campenhausen (Archivsignatur: DSHI 110 Campenhausen) erhalten. Dazu gehören Personaldokumente u.a. aus seiner Studienzeit in Halle und betr. seine Eheschließung mit Sophie Elisabeth v. Mengden, Akten in verschiedenen Nachlaß- bzw. Erbschaftsangelegenheiten und betr. den Kauf und Verkauf von Gütern und sonstigen Immobilien sowie das Schicksal leibeigener Bauern. Besondere Aufmerksamkeit dürfen Briefe beanspruchen, die erkennen lassen, daß Christoph v. Campenhausen auch an der Geschichte, insbesondere seiner eigenen Familie, sehr interessiert war und, soweit es seine Umstände zuließen, sich an deren Dokumentation aktiv beteiligte. Davon zeugen Briefe, in denen er unter Verwandten nach genauen Daten von Familienangehörigen forschte, aber auch seine Bemühungen, für Friedrich  Konrad Gadebusch (1719-1788), Bürgermeister in Dorpat, den Vater der kritischen baltischen Geschichtsforschung, gesicherte Angaben zur Geschichte der Familie von Campenhausen und anderer baltischer Adelsfamilien zu beschaffen.

Es erstaunt deshalb kaum, daß Christoph v. Campenhausen mit Gadebusch selbst in Briefkontakt war. Davon künden fünf Briefe Campenhausens an Gadebusch aus den Jahren 1773-1778 (Briefsammlung Gadebusch, Archivsignatur: DSHI 570 GGA 1171). Alle diese Briefe betreffen allerdings nur dienstliche Vorgänge, die sich aus den amtlichen Stellungen beider Korrespondenzpartner ergaben. Andere Briefe haben sich in dieser Sammlung nicht erhalten. Insofern unterscheidet sich die erhaltene Korrespondenz Gadebuschs mit Christoph v. Campenhausen von der, die Gadebusch mit dessen Bruder, dem Senateur Balthasar v. Campenhausen (1745-1800), geführt hat, in der es durchaus um historische Themen und um die Familiengeschichte Campenhausen ging.

Der 300. Geburtstag Christoph v. Campenhausens mag Veranlassung sein, seinem Lebenswerk im Hinblick auf Livland und auf das Russische Reich im Lichte von archivischen Quellen in Estland, Lettland und in Marburg neu nachzugehen.

Peter Wörster

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(Lit. AXEL FRHR. VON CAMPENHAUSEN: Drei Balthasare im Dienste des Zaren und Livlands. In: Beiträge zur Geschichte des Geschlechts der Freiherren von Campenhausen, Nr. 1 (N.F.), [Marburg] 2014. PETER WÖRSTER: Bezüge auf die Familie von Campenhausen in der Briefsammlung Gadebusch. In: Gutshof unter den Eichen. Orellen und die Familie von Campenhausen in Livland. Hrsg. von Imants Lancmanis. Ruhenthal/Rundāle 1998, S. 77-81)