Wayküll in Estland – einst ein Fideikommiss der Familie v. Schubert

Wayküll: Lageplan der Gutsgebäude und des Parks (Archivsign.: DSHI 190 Estland 76, Bl. 31 u. 32)
Wayküll: Grundriss des Herrenhauses

Die Herrenhäuser in der Republik Estland sind, soweit sie die Katastrophen des 20. Jahrhunderts überstanden hatten, vor allem in den Jahrzehnten seit der Wiedererlangung der staatlichen Unabhängigkeit (1991) Estlands umfassend und systematisch erforscht worden. Juhan Maiste und Ants Hein hatten daran besonderen Anteil. Immer wieder ist festzustellen, dass auch in den Beständen der Dokumentesammlung des Herder-Instituts in Marburg (DSHI), des größten Archivs zur baltischen Geschichte in Deutschland, meist in entsprechenden Archiven deutschbaltischer Adelsfamilien Unterlagen auch zur Baugeschichte von Herrenhäusern in Estland und Lettland vorhanden sind.

In der DSHI hat sich innerhalb des Estländischen Ritterschaftsarchivs ein umfangreicher Teil des Archivs der Familie v. Schubert erhalten (DSHI 190 Estland 73-82). Darunter befinden sich auch zahlreiche Dokumente über deren Gut Wayküll (estnisch Vaeküla), das 7 km östlich von Wesenberg (Rakvere) an der Straße zwischen Reval (Tallinn) und Narva liegt.

Das Mitte des 13. Jhs. erstmals erwähnte Gut mit nahegelegenem Dorf war über die Jahrhunderte hin im Besitz verschiedener Familien, u.a. v. Uexküll, v. Brümmer und Zoege v. Manteuffel. In der ersten Hälfte des 19. Jhs. erwarb es die Familie v. Schubert, in deren Besitz es bis zur Enteignung 1920 blieb. Die Familie errichtete 1879/81 den „v.Schubert-Wayküllschen Fideikommiss“ und ließ das vom Anfang des 19. Jhs. stammende Herrenhaus in den 1880er Jahren umbauen. Wohl im Zusammenhang mit dem Erwerb von Wayküll wurden Alexander Schubert (1777-1840) und seine beiden Söhne Carl (1807-1886) und Alexander 1833 von Kaiser Nikolaus I. in den erblichen Adelsstand erhoben, wovon die Abschrift des russischen Originals der Verleihungsurkunde und auch die einer deutschen Übersetzung zeugen (in: DSHI 190 Estland 76). In der gleichen Archivalieneinheit befinden sich ein Lageplan des Herrenhauses und der Wirtschaftsgebäude mit dem umgebenden Park und ein Grundriss des Herrenhauses (Wohngeschoß mit 27 Räumlichkeiten). Diese Pläne sind undatiert. Sie könnten mit den Baumaßnahmen aus den 1880er Jahren in Zusammenhang stehen. Auffällig sind die maschinegeschriebenen Erläuterungen zu den einzelnen Räumlichkeiten, die später aufgeklebt wurden und in dem beschreibenden Teil die Vergangenheitsform verwenden, was eventuell darauf hinweisen könnte, dass zumindest diese Erläuterungen vielleicht erst aus der Zeit um oder nach 1920 stammen.

Dorothee M. Goeze und Peter Wörster