Deutschbaltische Dichterin trifft Großen der Weimarer Klassik. Elisa von der Recke und Johann Gottfried Herder

Porträt Herders nach einem Gemälde von Anton Graff durch Carl Mayer (1785, DSHI_100_Schauer_58_2_409)
Porträt Herders nach einem Gemälde von Anton Graff durch Carl Mayer (1785, DSHI_100_Schauer_58_2_409)
Collage von einigen der zahlreichen Notizzettel aus dem Nachlass Hans Schauer (DSHI_100_Schauer_68)
Collage von einigen der zahlreichen Notizzettel aus dem Nachlass Hans Schauer (DSHI_100_Schauer_68)
Porträt Elisa von der Reckes von Anton Graff nach einem Gemälde im Kurländischen Provinzialmuseum zu Mitau (Aufn. Bildarchiv Herder-Institut, Marburg, 129701)
Porträt Elisa von der Reckes von Anton Graff nach einem Gemälde im Kurländischen Provinzialmuseum zu Mitau (Aufn. Bildarchiv Herder-Institut, Marburg, 129701)

Am 25. August 1744, also vor 272 Jahren, wurde Johann Gottfried Herder, der Namenspatron unseres Instituts, in Mohrungen in Ostpreußen geboren. Ihm widmen wir deshalb das „Archivale“ im August, zumal ein Zitat der bekannten deutschbaltischen Dichterin Elisa von der Recke (geb. v. Medem; 1754-1833) über ihre Begegnung mit Herder und seiner Familie zur Verfügung steht. 1802 schrieb Elisa von der Recke an den Hofrat Böttiger in Dresden von der Begegnung in Karlsbad in Böhmen im Jahre 1791:

„Zu diesen [alten Freunden] gehören meine lieben, lieben Herders, mit denen ich in Karlsbad, in Naumanns Gesellschaft, so froh war. Beynahe hätte ich in dem Aufsatz, den Sie haben, auch den Tag zu Papier gebracht, wo unsre lieben Herders mit meiner Schwester [Dorothea von Kurland], mit Naumann und noch andern geistvollen Persohnen eine Lustfahrt nach Ellenbogen machten, dort auf frisch gemähtem Heu im lieblichen Thale jubelten, dann den schroffen Felsen hinanklommen, dort Canons gesungen wurden und Herders geistvolles Gespräch eine schöne Musik für unsre Seele war und jedes Wort seiner edlen Gattin das Herz rührte, wie Herders Gedanken die Seele erhoben! – Dann der feyerliche Zug nach dem dunkeln Schacht, nahe bey Carlsbad [sic!], wo einige katolische [sic!] Geistliche uns mit kleinen Lichtern in die dunkle Höhle hineinführten, Herder da sagte: ‚Hier haben Sie den Ursprung der Fabel vom Reiche des Plutos!‘ Erinnerung! Du bist doch das gütigste Geschenk der Vorsehung!“ (Elisa von der Recke. II. Tagebücher und Briefe aus ihren Wanderjahren. Hrsg. von Paul Rachel. Leipzig 1902, S. 415 f.).

Elisa von der Recke war eine bedeutende deutschbaltische Schriftstellerin des 18. Jahrhunderts. Sie entstammte einer der bekanntesten Adelsfamilien Kurlands (v. Medem auf Elley). Ihre Schwester war Dorothea, die letzte Herzogin von Kurland, Gemahlin Herzog Peters. Elisa lebte seit 1797 in Deutschland (vor einigen Reisen abgesehen), seit 1801 meist in Dresden. Ihre Ehe mit Magnus von der Recke, 1771 geschlossen, wurde 1781 geschieden.

Auf das oben wiedergegebene Zitat stößt man bei der Durchsicht der ungemein zahlreichen Notizen im Nachlass des Herder-Forschers Hans Schauer (1889-1957), der sich in der DSHI, der Dokumentesammlung des Herder-Instituts, befindet (DSHI 100 Schauer 1-74). Schauer ist vor dem Zweiten Weltkrieg vor allem durch die Edition von Briefen Herders und seiner Frau Caroline Flachsland hervorgetreten. Einem Herder-Autographen aus dem Nachlass Schauer war unser „Archivale des Monats“ im Mai 2008 gewidmet.

Dorothee M. Goeze