Ausstellung über die Livländische Ritterschaft in Wenden/Cēsis

Zeichnung des Wappens des „livländischen Königs“ Magnus von Holstein und seiner Gemahlin (aus: DSHI 190 Kurland VI,3,Osten-Sacken).
Einladung des Schlossmuseums Wenden/Cēsis zur Ausstellung

Am 20. Mai 2015 eröffnet das „Museum für Geschichte und Kunst Cēsis“ eine Ausstellung zum Thema „Die Livländische Ritterschaft und Lettland“. Im dortigen Neuen Schloss wird diese Ausstellung bis zum Ende dieses Jahres zu besichtigen sein.

Das geschieht an wirklich historischem Ort: Der Schwertbrüderorden erreichte 1207 Wenden und errichtete 1213/14 eine Burg, deren Überreste noch heute erhalten sind. Wenig später kamen auch deutsche Kaufleute. Anfang des 14. Jh. erhielt Wenden Rigisches Stadtrecht und wurde Mitglied der Hanse.

Nach Eingliederung der Reste des Schwertbrüderordens in den Deutschen Orden 1236 hielten sich die Meister des livländischen Ordenszweiges häufig auf der Burg in Wenden auf, was dazu führte, daß die Burg seit Ende des 15. Jh. bis zum Ende der Ordenszeit 1560/61 Residenz der livländischen Ordensmeister wurde. Zu ihnen gehörte auch Wolter von Plettenberg, der politisch und militärisch bedeutendste Meister in der Spätphase des Ordens. Er verbrachte die längste Amtszeit von 1494 bis 1535 in Wenden. Wenden wurde in der Regierungszeit Iwans des Schrecklichen mehrfach von russischen Truppen belagert, so 1560 im Livländischen Krieg, aber auch später. 1577 hatten sich aus Furcht vor den Russen über 300 Personen in die Burg geflüchtet. Wegen völliger Aussichtslosigkeit auf Rettung gaben sie nach einer Woche Belagerung auf und sprengten sich in der Burg in die Luft, um nicht in die Hände der Russen zu fallen.

Von 1777 bis zur lettischen Agrarreform 1920 gehörte die Burg der Familie v. Sievers, die auch für die Errichtung des „Neuen Schlosses“ sorgte.

Seit einigen Jahren tritt das Museum in Wenden/Cēsis mit national wie international vielbeachteten Ausstellungen zur Geschichte und Kultur der historischen Territorien Lettlands hervor. In diesem Jahr steht die Livländische Ritterschaft im Zentrum des Interesses, die bis weit in die zweite Hälfte des 19. Jh. die Trägerin der durch Privilegien verbrieften ständischen Selbstverwaltung im Baltikum war und bis zu ihrer gesetzlichen Auflösung 1920 weiterhin ein wichtiger Faktor in Wirtschaft, Politik und Kultur blieb.

Bei der Auswahl der Ausstellungsmaterialien haben die Kuratoren überwiegend auf Bestände in Lettland selbst zurückgegriffen. Gleichwohl konnte die Dokumentesammlung des Herder-Instituts durch Lieferung einer Reproduktion eines ganz speziellen Ausstellungsstücks ein wenig zum Gelingen beitragen: Zum Archiv der Kurländischen Ritterschaft, die die Kopie genehmigte, gehört das Stammbuch des Kurländers Johann Reinhold (Christophor) von der Osten-Sacken (1755-1788), worin sich das Wappen des „livländischen Königs“ Magnus von Holstein und seiner Gemahlin (16. Jh.) befindet, das für die lettischen Kollegen für die Geschichte Livlands von Interesse ist.

An dieser Stelle sei der Besuch der Ausstellung in Wenden/Cēsis sehr empfohlen.

Peter Wörster