Ein Mitarbeiter des Dommuseums in Riga vor der Umsiedlung. Zum Tode von Friedrich Blum (1915-2015)

(Unterschrift Friedrich Blums unter seinem Bericht über die UTAG 2005, DSHI 140 Balt 552_057)
(Unterschrift Friedrich Blums unter seinem Bericht über die UTAG 2005, DSHI 140 Balt 552_057)

Am 8. Februar 2015 starb in Erlangen Friedrich Blum, zwei Monate vor seinem 100. Geburtstag. Mit ihm ist der wohl letzte bis dahin noch lebende Mitarbeiter des Dommuseums und der Gesellschaft für Geschichte und Altertumskunde in Riga aus der Zeit vor der Umsiedlung der Deutschbalten von uns gegangen. Die Dokumentesammlung des Herder-Instituts ist ihm zu großem Dank verpflichtet und wird ihm stets ein ehrendes Andenken bewahren. Wie kommt es dazu? Es war im Jahre 2005, da der Unterzeichner im Rahmen der Domus-Rigensis-Tage mit Friedrich Blum viel Umgang hatte und insbesondere auf einer Exkursion nach Riga-Strand Gespräche mit ihm führen konnte. Ein Ergebnis dieser Begegnung war, dass er wenige Wochen später 72 Blatt mit seinen Erinnerungen an die Umsiedlungs-Treuhand-Aktien-Gesellschaft (UTAG) und weitere ergänzende Materialien übersandte.
Friedrich Blum wurde am 5. April 1915 in Riga, das damals noch die Hauptstadt des russischen Gouvernements Livland war, geboren. Er besuchte die Städtische Deutsche Grundschule, dann von 1929 bis 1934 das Städtische Deutsche Gymnasium in Riga. 1934 bis 1939 studierte er Geschichte am Herder-Institut Riga, der privaten deutschen Hochschule in Lettland (Mitglied der Curonia). Neben seinem Studium arbeitete er am Dommuseum und in der altehrwürdigen Gesellschaft für Geschichte und Altertumskunde mit. 1934 bis 1939 war er in der Deutschbaltischen Volksgemeinschaft ehrenamtlich engagiert.
Im Zuge der Umsiedlung der Deutschbalten Ende 1939 und Anfang 1940 war er Sachbearbeiter für Bibliotheken und Museen in der Umsiedlungs-Treuhand-Aktien-Gesellschaft (UTAG) in Riga tätig. Er arbeitete viel mit dem pensionierten Direktor des Stadtarchivs Riga Magister Arnold Feuereisen zusammen.
Als die letzten größeren Gruppen von Deutschen am 15. Dezember 1939 Lettland verlassen mussten, wurde Friedrich Blum gebeten, im Auftrage der UTAG noch in Riga zu bleiben, um in der Deutschen Kulturgüterkommission mitzuarbeiten. Er schreibt: „Ich sagte gerne zu, weil ich kein großes Vertrauen in das hatte, was mich im Wartheland erwarten würde, denn als ich im Semester davor als Austauschstudent nach Deutschland wollte, lehnte die Studentenschaft eine Befürwortung mit der Begründung ab, ich sei *politisch unreif*.“ (DSHI 140 Balt 552, Bl. 053) Friedrich Blum erlebte die sowjetische Besetzung Lettlands im Juni 1940 in seiner Heimatstadt Riga. Als auch er im September 1940 nach Deutschland kam, arbeitete er zunächst ein knappes Jahr an der Sammelstelle für baltendeutsches Kulturgut in Posen auf der Dom-Insel, die von Wilhelm Lenz sen. geleitet wurde. 1941 setzte er das Geschichtsstudium in Breslau fort. 1941 bis 1945 folgten der Kriegseinsatz und die amerikanische Kriegsgefangenschaft. Seit 1951 lebte er in Erlangen und arbeitete hauptberuflich bei Siemens.
Nach 1945 bzw. nach 1949 engagierte er sich beim Hilfskomitee, dann bei der Carl-Schirren-Gesellschaft und in der Deutschbaltischen Landmannschaft, wo er 15 Jahre zum engeren Vorstand gehörte. Als 1984 die Deutschbaltische Genealogische Gesellschaft gegründet worden war, gehörte Friedrich Blum in den ersten Jahren zu den Aktivisten.
Auf dem Zentralfriedhof in Erlangen, wo seine Urne beigesetzt wurde, hat er seine letzte Ruhestätte gefunden.
Peter Wörster