Plakate in der Dokumentesammlung des Herder-Instituts

Eine der vielen „Verordnungen“ in unserer Plakatsammlung, Wilna 1916, in vier Sprachen (Sign.: DSHI 170 Altplakate 1)

Im Laufe der Jahrzehnte konnte die Dokumentesammlung (DSHI) knapp 2.500 Plakate übernehmen. Die Motive betreffen die Länder des östlichen Mitteleuropa in der Zeit vom Ersten Weltkrieg bis in die Gegenwart.
Plakate sind eine massenhaft auftretende Erscheinung von Informationsverbreitung. Über ihre Rezeption ist meist wenig bekannt, da ein Plakat in der Regel für eine nicht kalkulierbare Leserschaft hergestellt wurde. Plakate zeigen Reklame, Mitteilungen, transportieren politische und andere Inhalte, die auf einen Blick klar verständlich sein sollen. Interessant sind immer Informationen über den Entstehungszusammenhang und die mögliche Nutzung.

Verlässliche Nachrichten über die Rezeption eines Plakats sind nur sehr schwer zu gewinnen. Doch gibt es in unserem Plakatbestand einige Objekte, die „Gebrauchsspuren“ zeigen: Auffallend ist bei diesen, dass sie ausgehängt waren und offensichtlich mit Bedacht und sehr vorsichtig abgenommen, also nicht einfach abgerissen, wurden. Manche zeigen Spuren von Heftungen bzw. Klebebefestigungen. Auf ein bewusstes Sammeln von Plakaten und Bekanntmachungen weisen ebenso die auf ganz wenigen Exemplaren vorhandenen mit Bleistift angebrachten Notizen zu Zeit und Ort des Aushangs hin, eine für die wissenschaftliche Bearbeitung dieser Quellen unschätzbare Information.

Insgesamt gliedert sich der entsprechende Archivbestand „DSHI 170 (Alt-)Plakate“ in folgende Bereiche:

  1. Plakate, die seit Gründung des Herder-Instituts 1950 zusammengetragen wurden. Sie stammen meist aus der Arbeit des Instituts und ähnlicher wissenschaftlicher und kultureller Einrichtungen (Museen insbesondere) mit Informationen über Ausstellungen, Tagungen oder einzelne Vortragsveranstaltungen. Mit diesen Plakaten kann eine kleine, natürlich nur lückenhafte, dennoch aber facettenreiche Zusammenschau über Veranstaltungen dieser Art in der Bundesrepublik und in geringerem Maße in Österreich gegeben werden. Die Motive und Inhalte sind sehr heterogen. In größerer Zahl liegen Plakate aus der Zeit nach 1980 vor (ca. 2.100 Objekte).

  2. Plakate aus der Zeit des Ersten Weltkriegs, sowohl aus der russischen Besetzung in Ostpreußen im Sommer 1914 (hauptsächlich aus Insterburg), wie auch der deutschen Besetzung in Polen und Litauen und der gesamten Verwaltungseinheit „Ober-Ost“ mit Zentrum in Wilna. Sowohl von russischer wie von deutscher Seite handelt es sich meist um amtliche Bekanntmachungen. In „Ober-Ost“ waren die Plakate und Verordnungen gemäß der an Völkern und Sprachen vielfältig gemischten Lage sehr oft drei- bis vier-, gelegentlich sogar sechssprachig (ca. 90 Objekte).

  3. Plakate aus dem Zweiten Weltkrieg aus den Jahren 1941 und 1942 aus den baltischen Staaten und angrenzenden russischen und ukrainischen Regionen, soweit diese von Deutschen besetzt waren (113 Objekte, abweichende Sign.: „DSHI 140 Balt 487).

  4. Plakate aus der DDR, Tschechoslowakei und Polen aus den Jahren 1945 bis 1959 (130 Objekte).

Alle vorgenannten Gruppen sind in Dateien erfasst und also „vor Ort“ im Herder-Institut recherchierbar. Nach einer notwendigen Überarbeitung der älteren Verzeichnungen sollen die Daten in unserer DSHI-Archivdatenbank zur ortsungebundenen Recherche veröffentlicht werden. Langfristig ist geplant, die Plakate zu digitalisieren und, soweit es die Urheberrechte zulassen, im Internet zu veröffentlichen.

Dorothee M. Goeze und Peter Wörster