Riga – Kulturhauptstadt Europas. Werner Bergengruen – Dichter und Schriftsteller aus Riga, Brücke nach Marburg

Werner Bergengruen (1892-1964), Photo privat.
Werner Bergengruen (1892-1964), Photo privat.

Werner Bergengruen wurde 1892 in Riga geboren. Sein Vater war der Arzt Paul Bergengruen, seine Mutter Helene, geb. v. Boetticher. An seinem Geburtshaus in Riga ist heute eine kleine Gedenktafel angebracht. Bergengruen starb 1964 in Baden-Baden, so daß in diesem Jahr vielerorts seines 50. Todestages gedacht wird.

Da die Familie seit 1904 in Deutschland lebte, besuchte Bergengruen das Gymnasium in Lübeck, studierte vor 1914 in Marburg, München u. Berlin, nahm als preußischer Offizier am Ersten Weltkrieg teil u. trat 1919 in die Baltische Landeswehr ein, um seine Heimat gegen die Bolschewiki zu verteidigen. 1920 bis 1924 war er Mitarbeiter verschiedener Zeitschriften, die sich mit „Ostfragen“ beschäftigten. 1922 erschien sein erster Roman in Folgen in der „Frankfurter Zeitung“. Sein bekanntestes Werk ist der Roman „Der Großtyrann und das Gericht“ (1935) – ein eindrucksvolles Zeugnis der Literatur der Inneren Emigration. 1937 wurde er aus der Reichsschrifttumskammer ausgeschlossen. Weitere Hauptwerke: „Der Tod von Reval“ (1939), „Am Himmel wie auf Erden“ (1940, 1941 verboten), „Dies irae“ (1945), „Das Feuerzeichen“ (1949), „Der letzte Rittmeister“ (1952). 1992 erschien posthum „Schnaps mit Sakuska. Baltisches Lesebuch“, eine Sammlung von Erzählungen, die das Baltikum um 1900 mit „seinen Sitten, Zuständen u. Menschentypen“ vorstellt, zusammengestellt und herausgegeben von seiner Tochter Nino Luise Hackelsberger.

Bergengruen ist als bedeutender Übersetzer russischer Literatur ins Deutsche hervorgetreten.

„Durch seine baltische Herkunft, durch die Wahl seiner Stoffe u. durch die Art ihrer Verarbeitung [hat] Bergengruen eine kulturvermittelnde Aktivität zwischen Ost u. West entfaltet“ (Frank-Lothar Kroll).

Werner Bergengruen war neben Siegfried von Vegesack der bedeutendste deutschbaltische Schriftsteller des 20. Jhs. Er hatte Bezüge zu Marburg: Hier studierte er vor 1914, hier heiratete er 1919 Charlotte, Tochter von Kurt Hensel, Mathematiker der Universität, dessen Wohnhaus als „Hensel-Villa“ zu den Gebäuden des Herder-Instituts gehört. Bergengruen u. seine Familie waren öfters in Marburg zu Gast. 1949 hielt er auf Einladung der Universität Marburg bei der Goethe-Feier seine Rede über Goethe.

Am Dienstag, 9. September 2014, 17.45 Uhr, findet eine Veranstaltung unter dem Motto: „Weit über den baltischen Raum hinaus“ zum 50. Todestag von Werner Bergengruen im Lesesaal der Bibliothek des Herder-Instituts in Marburg, Gisonenweg 5-7, statt, vorbereitet und präsentiert von Dorothee M. Goeze und Peter Wörster,. Dr. Alexander Bergengruen, der Sohn des Dichters und Schriftstellers, wird daran teilnehmen und selbst über seinen Vater und dessen Werk sprechen.

Dorothee M. Goeze und Peter Wörster