Institutum Herderianum Rigense – Zur Geschichte des Herder-Instituts Riga

DSHI 120 HI-Riga, Kasten 2

Das Herder-Institut Riga war eine private deutsche Hochschule in Lettland. Es war ein Phänomen der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen: Es hat einen festen Anfang – 1921 – und einen festen Endtermin – Oktober 1939. Dazwischen liegen 18 Jahre seiner Existenz und Wirksamkeit. Seine Geschichte können wir in drei Phasen gliedern: eine spannende Gründungs- und Aufbauphase 1920/21 bis 1926/27, eine harmonische Mitte 1927 bis 1933, eine dramatische Endphase im Zeichen des Einflusses des Nationalsozialismus aus Deutschland mit einer stürmischen (Schein-)Blüte und schließlich mit der Liquidation infolge der Umsiedlung der Deutschbalten, also für die Jahre 1933 bis 1939.

Die Geschichte des Herder-Instituts Riga hat einen regionalen – baltischen – Aspekt und gehört damit in den Bereich der baltischen Geschichte; sie hat einen allgemeinen – universitätsgeschichtlichen – Aspekt und gehört mit diesem in das Aufgabenfeld universitätsgeschichtlicher Forschung.

1927 konnte das Sondergesetz für das Herder-Institut Riga vom lettischen Parlament verabschiedet werden. Die wichtigsten Regelungen lauteten: „[§ ]1: Das von der Herdergesellschaft gegründete Herderinstitut zu Riga Institutum Herderianum Rigense, ist eine private deutsche Hochschule mit deutscher Sprache. Das Institut wird aus privaten Mitteln erhalten und genießt nur die in diesem Gesetz vorgesehenen Rechte. [§] 2: Die Aufgabe des Herderinstituts ist, unter den Angehörigen des deutschen Volkstums in Lettland die Wissenschaft zu fördern und zu verbreiten, indem es die für die kulturelle Arbeit dieses Volkstums erforderlichen Arbeitskräfte vorbereitet. [§] 3: Das Herderinstitut umfaßt folgende Abteilungen: 1) eine theologische, 2) eine rechts- und staatswissenschaftliche, 3) eine humanistische und 4) eine mathematisch-naturwissenschaftliche Abteilung. [§] 4: Das Herderinstitut ist dem Bildungsministerium unterstellt unter Vermittelung des Chefs der Verwaltung des Deutschen Bildungswesens. Es gehörte zu den Vorbedingungen für die Zustimmung der lettischen Regierung zur Legalisierung des Herder-Instituts 1927, daß das Herder-Institut ganz auf lettische staatliche Finanzierung verzichtete, weshalb der Rektor Klumberg also von Haushalt zu Haushalt, von Jahr zu Jahr, die jeweils nötigen Gelder zusammenbringen mußte.
Damit war der rechtliche Rahmen vorgegeben, der dann bis zur Auflösung des Instituts am 27. Nov. 1939 im Zusammenhang mit der Umsiedlung der Deutschbalten unverändert Gültigkeit hatte. Die Liquidation der Einrichtung wurde am 15. Januar 1940 abgeschlossen.

Das Herder-Institut Riga war eine Hochschule. Das 1950 in Marburg gegründete Herder-Institut ist eine Einrichtung für die historische Ostmitteleuropaforschung. Beide verbindet der Namenspatron Johann Gottfried Herder, jedoch keinerlei institutionelle Kontinuität.

(vgl. Peter Wörster: Institutum Herderianum Rigense. Zur Geschichte des Herder-Instituts Riga. In: Baltica. Vierteljahresschrift für baltische Kultur, Heft 4/2006 [recte 2007], S. 3-21.)

Dorothee M. Goeze und Peter Wörster