Riga Kulturhauptstadt Europas 2014

(DSHI 110 Campenhausen 104_159, Abbildung mit frdl. Genehmigung des Eigentümers)
(DSHI 110 Campenhausen 104_159, Abbildung mit frdl. Genehmigung des Eigentümers)

Was Jahn in Riga zu bestellen hat – eine Einkaufsliste ca. 1760

Das hier vorgestellte Dokument stammt aus dem reichhaltigen Familienarchiv von Campenhausen, das in der Dokumentesammlung des Herder-Instituts aufbewahrt und heute immer noch ergänzt wird. Im Augenblick umfasst es 23 lfd. Regalmeter und fast 1500 Archivalieneinheiten. In ihm sind zahlreiche Bezüge auf Riga enthalten.
Das hier vorgestellte Dokument stammt aus der Zeit um 1760. Es zeigt, wie ein offenbar erbuntertäniger lettischer Diener „Jahn“ vom Stammgut Orellen nach Riga fahren soll und dort einiges zu erledigen hat.
Der Text weist darauf hin, dass Jahn in Riga etwas „zu bestellen hat“. Die Besorgungen sollten im Auftrag des Gutsherrn erledigt werden. Es ging unter anderem um Flaschen „Englischen Bieres“, um „gute, frische Hollandische Heringe“, „Dielen Bürsten“, und „Rauch und Fluß Pulfer“ Auf der rechten Seite des Schriftstücks steht, „was Jahn auszubringen hat mit die Fuhren“ u.a. „Grüne Papierene Tapeten“, die bei der Firma Schaffer [vgl. hier das Archivale Januar 2014] abzuholen wären.
Der recht kleine Zettel ist ein sprechender Beleg für die Vertrauensstellung, die Jahn hatte. Sie zeigt sich in der Formulierung, dass er Wintermützen besorgen soll, und zwar solche, „wie Jahn sie zu beschreiben weiß“. Er durfte also nach Meinung des Gutsbesitzers dem Händler berichten, welche Mützen genau gemeint sind.
Es bleibt weiteren Studien vorbehalten zu klären, ob ein solches Vertrauensverhältnis zwischen Gutsbesitzern und Leibeigenen im 18. Jahrhundert die Regel oder die Ausnahme war. Wäre es die Ausnahme, bedürfte es der Erklärung. Bei der Familie von Campenhausen wäre wohl an die Orientierung der Familie an den Grundsätzen der Herrnhuter zu denken,
Zur Familie von Campenhausen und zu ihrem Archiv in der Dokumentesammlung im Herder-Institut fügen wir hier noch einige Literaturangaben an:
WHELAN, Heide W.: Adapting to Modernity. Family, Caste and Capitalism among the Baltic German Nobility. Köln, Weimar, Wien 1999, XIV, 387 S., 15 Tafeln, 25 Abb.
CAMPENHAUSEN, Axel Freiherr von: Drei Balthasare von Campenhausen. Im Dienste des Zaren und Livlands, in: Jahrbuch des baltischen Deutschtums XLVI, Lüneburg 1999, S. 9-43.
„Gutshof Orellen“ in der Schriftenreihe „Kleine Kunstführer“, hrsg. von der Campenhausenschen Archivstiftung, mit einem Vorwort von Balthasar (Jan) Freiherr von CAMPENHAUSEN, Text von Axel Freiherr von CAMPENHAUSEN, Regensburg 2014, 23 Seiten.
LANCMANIS, Imants: Vorwort zu: Gutshof unter den Eichen. Orellen und die Familie von Campenhausen in Livland, Marburg 1998, S. 9-10

Dorothee M. Goeze und Peter Wörster