„Prompt und richtig bezahlt…„ Ein Budenbuch aus dem Riga des 18. Jahrhunderts

Titelblatt eines Budenbuches aus Riga 1755 (DSHI 110 Campenhausen 0070_06_27; Abb. mit frdl. Genehmigung des Eigentümers)
Titelblatt eines Budenbuches aus Riga 1755 (DSHI 110 Campenhausen 0070_06_27; Abb. mit frdl. Genehmigung des Eigentümers)

Das gezeigte Bild ist das Titelblatt eines Budenbuches aus Riga Mitte des 18. Jahrhunderts. Ein Budenbuch ist eine Art Abrechnungsbuch eines Geschäfts. Das Wort Bude ist  für diese Zeit und für den Ort Riga nicht abwertend gemeint, wie wir es uns vielleicht heute denken können (vgl. Baltisches Rechtswörterbuch: http://www.balt-hiko.de/online-publikationen/baltisches-rechtswörterbuch und auch die Stichwörter „Bude“ aus dem Deutschbaltischen Dialektwörterbuch: DSHI 180 DBW in der Dokumentesammlung des Herder-Instituts), zumal es sich bei der Firma Niemann & Schaffer um ein recht großes, zumindest jedenfalls vielfältiges, Geschäft handelt. Dem hier gezeigten Titelblatt folgen in einem gebundenen Heft 25 Blatt im DIN A 5 Format mit sorgfältigen Eintragungen der Waren, die verkauft wurden. Als diese werden u.a. genannt: Aurum Pigmentum, Silber-Glätte, Florentiner Lack, Zinnober, Umbra,  Goldpapier, Englischer Leim, Vorhänge, Schrauben, Schüsseln, Metall, Kartuschen, Fensterglas, Papierscheren, Terrinen, Bratenschüsseln und vieles mehr.
Die Geschäftsleute Niemann und Schaffer haben, wie im Titel genannt, bestätigt, dass die Ware: "prompt und richtig bezahlt" wurde und zwar von seiner "Exzellenz". Damit gemeint ist der Generalleutnant Balthasar von Campenhausen (1689-1758). Er kaufte 1728 das Gut Orellen. Ab 1730 ließ er das bis heute erhaltene Herrenhaus Orellen bauen. Die Besonderheit des aus Holz gebauten Hauses von Orellen war die sorgfältige und künstlerisch professionelle Innenausstattung, besonders die Ausschmückung der Wände.
Die im Budenbuch genannten Waren sind ein Zeichen für die sicher noch laufende Ausgestaltung des Hauses, aber auch für das alltägliche Leben in diesem Hause. So ist auch die Rede von einer Perücke bzw.  einer Schachtel dafür. Das Budenbuch stammt aus dem reichhaltigen Familienarchiv von Campenhausen, das in der Dokumentesammlung des Herder-Instituts aufbewahrt wird und heute immer noch ergänzt wird. Im Augenblick umfasst es 23 lfd. Regalmeter und fast 1500 Archivalieneinheiten. Das gezeigte Budenbuch ist eines der frühen Originaldokumente, da mit der Lebenszeit des Generalleutnants von Campenhausen die originale Überlieferung der Familienakten beginnt.
Zur Familie von Campenhausen und zu ihrem Archiv in der Dokumentesammlung im Herder-Institut fügen wir hier noch einige Literaturangaben an:
Whelan, Heide W.: Adapting to Modernity. Family, Caste and Capitalism among the Baltic German Nobility. Köln, Weimar, Wien 1999, XIV, 387 S., 15 Tafeln, 25 Abb.
Campenhausen, Axel Freiherr von: Drei Balthasare von Campenhausen. Im Dienste des Zaren und Livlands, in: Jahrbuch des baltischen Deutschtums XLVI, Lüneburg 1999, S. 9-43.
„Gutshof Orellen“ in der Schriftenreihe „Kleine Kunstführer“, hrsg. von der Campenhausenschen Archivstiftung, mit einem Vorwort von Balthasar (Jan) Freiherr von Campenhausen, Text von Axel Freiherr von Campenhausen, Regensburg 2014, 23 Seiten.
Lancmanis, Imants: Vorwort zu: Gutshof unter den Eichen. Orellen und die Familie von Campenhausen in Livland, Marburg 1998, S. 9-10

Dorothee M. Goeze und Peter Wörster