Riga Kulturhauptstadt Europas 2014

DSHI_110_Kruedener_AvK_01_05 (Abb. mit frdl. Genehmigung des Eigentümers
DSHI_110_Kruedener_AvK_01_05 (Abb. mit frdl. Genehmigung des Eigentümers

Riga  -  eine bekannte / unbekannte Stadtansicht für Arthur Baron v. Kruedener

Das Archiv der livländischen Familie von Kruedener, das in der Dokumentesammlung des Herder-Instituts als Depositum aufbewahrt wird (DSHI 110 Kruedener), umfasst insgesamt ca. 10 lfd. Regalmeter. Es wird zurzeit verzeichnet, ist jedoch wegen häufiger Nachlieferungen aus dem Kreise der Familie ein ständig wachsendes Archiv.

Die beiden letzten Übergaben fanden 2013 statt und betreffen überwiegend Dr. h.c. Arthur Gustav Alexander Baron von Kruedener, der 1869 in Rujen-Großhof in Livland geboren wurde und 1951 in München starb. Im „Deutschbaltischen Biographischen Lexikon“ (DBBL, 1973, S. 416) wird er schlicht als Forstwissenschaftler bezeichnet, was angesichts der Fülle seiner nachgelassenen Materialien fast trivial klingt. Enthalten sind persönliche Materialien – z.B. ein Schulzeugnis aus Dorpat, wo Arthur v. Kruedener in die Schule ging und in das Studium begann (cand. oec). Diese Materialien sind früher schon einmal gesichtet und mit wertvollen Kommentaren versehen worden – wohl von Mitgliedern der Familie v. Kruedener. Innerhalb seiner ab Ende des 19. Jahrhunderts beginnenden erfolgreichen wissenschaftlichen Arbeit beschäftigte sich v. Kruedener inhaltlich hauptsächlich mit der Waldbodenforschung, das zeigte sich auch in seinen Ämtern: Ab 1913 war er „Staatsrat und verwaltete sämtliche Kaiserliche Forsten im riesigen russischen Raum“ (s. Das Nachrichtenblatt der Familie v. Kruedener, H. 11, Dez. 1985, S. 2). Er unternahm zahlreiche Studienreisen. Seine Karriere wurde durch die Umbrüche 1917/18 im Russischen Reich abgebrochen. Doch war er im Zusammenhang mit seinen forstwissenschaftlichen Interessen weiterhin tätig. 1918 war er Dozent an der „Baltischen Technischen Hochschule Riga“ (vormals Polytechnikum). Er hielt sich zunächst in Königsberg und im übrigen Ostpreußen auf, kehrte aber 1926 nach Riga zurück. An der Lettischen Universität nahm er einen Lehrauftrag als "Älterer Dozent für Waldbau, Waldwertrechnung und Statistik" (so das DBBL) wahr. 1927 ging er nach München. Ein großes Werk ist seine Monographie „Ingenieurbiologie“(1951), ein von ihm eingeführter Begriff, der den verantwortlichen Umgang mit der Natur bei Bauarbeiten zum Gegenstand hat. Nicht unerwähnt bleiben sollen auch seine Werke "Atlas standortkennzeichnender Pflanzen" von 1941, sowie seine bemerkenswerten "Erinnerungen aus dem Zarenreiche" (2 Bände: 1927, 1939) unter dem Titel "Unendliche Weiten". Gelobt werden wiederholt Arthur v. Kruedeners Bemühungen um Wildwechselschilder an Autobahnen. Einige Entwürfe dafür sind im Familienarchiv erhalten.

Die vorgestellte Abbildung zeigt, entsprechend unserem Motto für das „Archivale des Monats“ in diesem Jahr, eine Stadtansicht von Riga. Sie ist nach einem sehr klassischen Motiv – der Silhouette Rigas von der Düna aus – von Georg v. Krusenstjern (1899-1989), dem bekannten Genealogen, Historiker und Sammler, in München gezeichnet. In einer Urkunde gratuliert er dem Ehepaar Arthur v. Kruedener und seiner Frau Dagmar, geb. v. Bruemmer, zur Goldenen Hochzeit 1947 – im Namen des „Hilfskomitees der ev. Luth. Baltendeutschen – im Hilfswerk der Ev. Kirche in Deutschland“.

Dorothee M. Goeze und Peter Wörster