Das Kaiserlich-Deutsche Hoftheater in St. Petersburg

Kurzer Abriss seiner Geschichte von Alexander Tollert

Titelblatt und Widmungsblatt zum „Kurzen Abriss…“ von Alexander Tollert (Archivsign.: DSHI 140 Rußland 64)

Zu den kleinen Erwerbungen der letzten Monate gehört das Manuskript „Kurzer Abriss einer Geschichte des Deutschen Theaters in St. Petersburg nach officiellen Quellen zusammengestellt von Alexander Tollert“. Das Manuskript umfaßt 296 beschriebene Seiten. Es ist nicht datiert, aber es gibt Grund zur Annahme, daß es vor dem Tode des Verfassers 1880 geschrieben wurde. Ob die Schrift die des Verfassers ist oder eine andere Schreiberhand aufweist, läßt sich auf Grund dieses einen vorliegenden Textes nicht entscheiden. Möglicherweise existieren mehrere Abschriften.

Es wird eingeleitet mit einer persönlichen Widmung des Verfassers an seinen Vorgesetzten, den „General-Director sämmtlicher Kaiserlichen Hoftheater in St. Petersburg und Moskwa [sic!], wirklichen Geheimrath, Kammerherrn und vieler hohen Orden Ritter Alexander von Gedeonow“.

Der Verfasser ist mit Alexander Tollert angegeben. Sein bürgerlicher Name war Alexander Franciscus Napoleon von Lysarch-Königk, geboren in Riga am 9. Sept. 1811 (28.08.a.St.), gestorben in St. Petersburg am 30. Juli 1880 (18.07.a.St.). Weitere Namensformen waren: Alexander von Königk-Tollert, Alexander Franciscus Napoleon von Lysarch-Königk, Alexander Franciscus Napoleon von Lysarch, gen. Königk, Alexander Franciscus Napoleon von Lysarch, Александр Густавович Кенигк-Толлерт.

Tollert war zunächst als Schauspieler am Kaiserlich-Deutschen Hoftheater in Petersburg tätig und von 1863 bis 1879 dessen Hauptregisseur. Er hatte „an die 50 Schauspiele aller Art, teils Originale, teils Bearbeitungen und meist harmlose Rührstücke im Zeitgeschmack“ in seinem Theater auf die Bühne gebracht (so Gero von Wilpert: Deutschbaltische Literaturgeschichte, S. 194). Das Theater bestand mit kleinen Unterbrechungen als Kaiserlich-Deutsches Hoftheater in St. Petersburg von der Mitte des 18. Jhs. bis 1890, als es im Zuge der Russifizierung geschlossen werden mußte.

Dorothee M. Goeze und Peter Wörster