„Brave Soldaten der russischen und preußischen Armee“

Aufruf Blüchers (gedruckt) und Brief Schuberts aus Bialystok vom 15. Jan. 1813 (erste Seite) (DSHI 190 Estland 82) - Abbildung mit frdl. Genehmigung des Eigentümers

Die Befreiungskriege 1812/1813 im Spiegel von Briefen Friedrich v. Schuberts

Im Archiv der Estländischen Ritterschaft (DSHI 190 Estland 81-83) befinden sich Materialien zur Geschichte der Familie v. Schubert (auf Wayküll).  Kern des kleinen Bestandes  ist ein umfangreicher Korpus von Briefen von Friedrich v. Schubert (1789-1865) meist an seinen Vater Theodor v. Schubert (1758-1825, Mitglied der Russischen Akademie der Wissenschaften). Der Briefkorpus umfaßt knapp 200 Originalbriefe aus den Jahren 1804 und 1807-1819.

Friedrich Theodor v. Schubert wurde 1789 in St. Petersburg geboren; er starb 1865 in Stuttgart. Er „gehörte zu der großen Gruppe von Deutschen, die im einstigen Russischen Reich zum Teil hohe Ämter und Stellungen innehatten […]. Schon mit sechzehn Jahren Offizier, nahm er an allen russischen Feldzügen der Jahre 1806-1815 teil, leitete dann viele Jahre die russische Militärtopographie, wurde Generalquartiermeister und Mitglied des Kriegsrates und ist als General der Infanterie 1865 in Stuttgart gestorben.“ […] Seine Briefe „besitzen teilweise hohen Quellenwert, so z.B. seine Schilderungen des gesellschaftlichen Lebens in St. Petersburg zur Zeit Alexanders I., über dessen bürgerlichen Verkehr wir nur hier Näheres erfahren, oder die seiner Parlamentärsfahrten nach Stockholm im Finnlandkrieg 1808/09. Breiten Raum […]  nimmt natürlich der Rußlandfeldzug Napoleons von 1812 ein […]. Höhepunkte sind hier seine grauenerregende Schilderung der Schlacht bei Borodino, der Brand von Moskau und die Verfolgung der geschlagenen französischen Armee über die Beresina, aber auch von den Kriegsereignissen der Jahre 1813/14, die er als Generalstabsoffizier eines russischen Kavalleriekorps in der Armee Blüchers miterlebte, erfahren wir durch ihn viele interessante Details.“ (so Erik Amburger in seiner Edition: Friedrich v. Schubert. Unter dem Doppeladler. Erinnerungen eines Deutschen in russischem Offiziersdienst 1789-1814. Stuttgart 1962).

21 der oben genannten fast 200 Briefe Schuberts sind aus den Jahren 1812 und 1813 erhalten. Zum Konvolut aus dem Jahre 1813 gehört ein Blatt (beidseitig bedruckt) mit einem Dank Blüchers, das zwar undatiert ist, aber mit „Schlesien ist vom Feinde befreit“ beginnt und die Schlacht an der Katzbach (Ende August 1813) erwähnt. Blücher dankt für die Tapferkeit der „braven Soldaten der russischen und preußischen Armee“.

Viele dieser Briefe wurden in Auswahl in den „Baltischen Heften“ 1965, 1967 und 1968 durch seinen Urgroßneffen gleichen Namens Friedrich v. Schubert (Talheim) veröffentlicht. Vgl. auch den neuesten Beitrag von Friedrich Adolph Frhr. v. Dellingshausen: Baltische Offiziere in der Armee Zar Alexanders I. im Kampf gegen Napoleon 1812. In: Nachrichtenblatt d. Balt. Ritterschaften, Nr. 216, Dez. 2012, S. 83-89.

Dorothee M. Goeze und Peter Wörster