Das Haus von Karl Dehio in Dorpat - Plakette des Tartu Linnamuuseums

Plakette mit dem Dehio’schen Haus in Dorpat/Tartu (Archivsign.: DSHI 110 Grote/Dehio 57).

In diesen Wochen konnte in der Dokumentesammlung des Herder-Instituts (DSHI) die Bearbeitung des fast vier laufende Regalmeter umfassenden Archivs der durch Heirat verbundenen deutschbaltischen Familien v. Grote und Dehio abgeschlossen werden (vgl. dazu das Opens internal link in current windowDezember-Archivale 2012).

Manchmal kommt es vor, daß in Nachlässen und Familienarchiven auch dingliche Gegenstände enthalten sind. In der DSHI werden sie meist beim Bestand belassen, wenn es sich um einzelne Stücke handelt und wenn es ihre Beschaffenheit und Größe und vor allem auch konservatorische Gesichtspunkte erlauben. Hier soll ein solches Stück aus dem Familienarchiv Grote/Dehio vorgestellt werden, das sicher in einer größeren Anzahl hergestellt wurde und heute vor allem in Estland in verschiedenen Sammlungen vorhanden ist. Im Falle der DSHI macht der Zusammenhang mit dem Archivgut aus der Familie Dehio die besondere Bedeutung des Stückes aus.

Es handelt sich um eine runde Reliefplakette aus Bronze mit einem Durchmesser von 10,5 cm und 800 gr. Gewicht. Ausgegeben wurde sie vom „Tartu Linnamuuseum“, also dem Stadtmuseum in Dorpat. Geschaffen hat sie der 1935 in der Ukraine geborene, lange Jahre in Estland wirkende Bildhauer und Medaillenkünstler Stanislav Netšvolodov, der später an der Universität in Krakau tätig war. Sein Name ist auf der Plakette eingraviert.

#Auf der Vorderseite ist ein Gebäude zu sehen, auf der Rückseite sind Schlüssel und Schwert, die Hauptelemente aus dem Stadtwappen von Dorpat/Tartu. Das Gebäude stellt das sog. Dehio‘sche Haus dar, das sich in der heutigen Oru-Straße befindet. Dort war das Stadtmuseum seit 1955 untergebracht, bevor es 2001 in das ehemalige Stadthaus der Familie v. Pistohlkors umgezogen ist.

Karl Dehio (1851-1927), der 1883 an die Universität Dorpat kam und hier 1886 Professor für Pathologie wurde und 1918 Rektor der Deutschen Universität Dorpat war, hatte 1898 das 1891 von Architekt Reinhold Guleke (1834-1927) errichtete Haus gekauft. Hier spielt „Liebe Renata. Geschichte einer Jugend“ der bekannten Schriftstellerin Else Hueck-Dehio (1897-1976), einer Tochter von Karl Dehio. Auch über sie sind Unterlagen in dem Familienarchiv (DSHI 110 Grote/Dehio) erhalten – übrigens auch in einem anderen Archivbestand (DSHI 140 Balt 576: Materialsammlung zu E.H.-D. von Ingeborg Piltz, Mainz).

Karl Dehio hat das Haus 1926 mitsamt der Einrichtung verkauft (vgl. http://register.muinas.ee/?menuID=monument&action=view&id=6962).

(Die Dokumentesammlung dankt Frau Dr. Reet Bender, Tartu, für Hinweise.)

Dorothee M. Goeze und Peter Wörster