Kassation? Was tun, wenn Archivgut scheinbar nicht mehr zu retten ist?

DSHI 170 Cur. 005
DSHI 170 Cur. 005

 

Vor kurzem wurde der DSHI neues Archivgut als Ergänzung zu einem bereits seit langem vorhandenen Bestand übergeben. Dabei befand sich auch das nebenstehend abgebildete kleine Archivstück im Format 11 x 6 cm. Es handelt sich offensichtlich um ein im Original sehr dünnes Papier, das beidseitig beschrieben ist. Es könnte sich um eine briefähnliche Notiz handeln, da ein Datum gerade noch teilweise lesbar ist: 12. Sept. 1920 [?]. Jemand hat offenbar versucht, dieses kleine Schriftstück zu „konservieren“, indem er es von beiden Seiten mit Tesafilm oder tesafilmähnlichen Streifen überklebt hat. Die Papierqualität ist sehr schlecht. Die Opazität, das Durchscheinen, des Papiers ist sehr hoch. Es ist zu fragen, ob schon das Original eventuell nur sehr schwer zu lesen war. Nichtsdestoweniger ist die Bemühung, dieses Stück Papier aufzuheben und aufbewahren zu wollen, nicht zu unterschätzen. Auch wenn dem Blatt ganz sicher keine archivgerechte Behandlung zuteil wurde, ist festzustellen, dass es uns gerade durch diese bis heute überliefert ist.

Photographisch wurde versucht, Vorder- und Rückseite getrennt lesbar zu machen. Dieser Versuch ist bis auf weiteres leider technisch gescheitert. Es ist aber nicht auszuschließen, dass es einmal möglich sein wird, die Texte beider Seiten zu lesen. Schon heute sind einzelne Worte zu entziffern, ohne dass freilich ein Sinn zu erkennen wäre.

Man kann nur vermuten, dass es sich um ein einzelnes kleines Schriftstück handelt, nicht um ein aus einem größeren Zusammenhang ausgerissenes Stück Papier. Die DSHI wird dieses Archivstück nicht kassieren, sondern aufbewahren. Vielleicht wird es mit anderen Möglichkeiten einmal zu lesen sein…

Dorothee M. Goeze und Peter Wörster