1924 oder „zwischen Ostpreußen und dem übrigen Deutschland“

Ausweis zur Durchreise „von Ostpreußen nach Deutschland“ (DSHI 140 Opr. 131-181)
Ausweis zur Durchreise „von Ostpreußen nach Deutschland“ (DSHI 140 Opr. 131-181)

Was einst als behördliches Dokument massenhaft ausgegeben worden war, weil es Menschen tausendfach benötigten, muss heute oftmals als selten gewordene archivische Quelle angesehen werden: Die DSHI konnte vor kurzem Familienpapiere aus Königsberg i.Pr. übernehmen, die aus der Zeit von 1834 bis 1929 stammen und gleichsam ein kleines Familienarchiv darstellen. Enthalten sind Personalpapiere der Familien Christopher und Wilutzky, ein Ahnenpass, ein Reisepass von 1934 (mit vielen Visa zum Besuch des Memellandes) einige Familienfotos und zahlreiche Rechnungen aus den Jahren 1904 und 1905, die eindrucksvoll dokumentieren, wie im Jahrzehnt vor dem Ersten Weltkrieg ein eigener Hausstand für ein junges Brautpaar aus gutbürgerlicher Familie gegründet wurde.

An dieser Stelle möchten wir ein Dokument vorstellen, das über das rein Familiäre hinausgeht. Es handelt sich um einen Ausweis, der gültig war „für den Durchgangsverkehr zwischen Ostpreußen und dem übrigen Deutschland in geschlossenen Zügen oder Zugteilen“ und der vom II. Revier des Polizeipräsidiums Königsberg in Preußen am 17. Mai 1924 mit einjähriger Gültigkeit für den Kaufmann Max Christopher (geb. 31. Januar 1855 in Königsberg) ausgegeben wurde.

Dieser Ausweis war nötig geworden, seit Ostpreußen durch den Versailler Vertrag vom übrigen Reichsgebiet durch den sog. Polnischen Korridor getrennt worden war und seitdem Reisende von Berlin nach Königsberg und von Königsberg nach Berlin besondere polnische Kontrollen passieren und im verdunkelten und geschlossenen Bahnwaggon ohne Zwischenstopp durch Pommerellen fahren mussten.

Diese besonderen Reisedokumente und Kontrollen waren nötig, wenn man den Landweg benutzte, wie in unserer Quelle dargestellt. Sie waren für diejenigen Reisenden nicht nötig, die Schiffe des Seedienstes Ostpreußen benutzten oder ab 1924 auch mit dem Flugzeug von Königsberg-Devau nach Berlin flogen.

Dorothee M. Goeze und Peter Wörster