Dornröschen, das holde, zu wecken…

(DSHI 190 Livland FA Wahl 60_1_Dornröschen, Abb. mit frdl. Genehmigung des Eigentümers)

Die Brüder Grimm, Nora von Wahl und das Familienarchiv von Wahl in der Dokumentesammlung des Herder-Instituts Marburg

Das knapp 300 Archvialieneinheiten umfassende Archiv der Familie  von Wahl wurde 2009 von der Familie als Depositum innerhalb des Archivbestandes der Livländischen Ritterschaft der Dokumentesammlung des Herder-Instituts übergeben.
Eine Besonderheit bei der Übergabe war, dass sich unter dem Material auch drei Umsiedlungskisten befanden, Kisten aus Metall mit unterschiedlichen Maßen, die 1939 bei der Umsiedlung der Deutschbalten genutzt wurden (vgl. Archivale des Monats Oktober 2009).
Innerhalb des Familienarchivs finden wir genealogische Materialien zu den einzelnen Zweigen der Familie von Wahl, Familiennachrichten, Fotos, Erinnerungen, Drucksachen, Reiseberichte und wissenschaftliche Forschungsberichte, die einen Bezug zu einem Mitglied der Familie von Wahl haben.
Und: es gibt auch künstlerische Blätter von einzelnen Mitgliedern der Familie ‚von Wahl‘. Darunter  auch eine Serie von Zeichnungen von Nora Hedwig Kornelia (Cornelie) von Wahl, geb. v. Wahl-Assick (geboren 1904 in Reval, gestorben 1991 in Bad Gandersheim). Nora von Wahl ist eher als Malerin, Graphikerin bekannt. Davon zeugt hier eine Abbildung einer Zeichnung über das Grimmsche Märchen Dornröschen. Und doch sind im Familienarchiv auch Gedichte von Nora von Wahl erhalten, eines soll hier wiedergegeben werden. Beide Quellen sind Sinnbild für die Vielfältigkeit von Archivgut, das eine Familie „sammeln“, d. h. bewahren kann.
Die Abbildung zu den Grimmschen Märchen ist sehr passend zu dem in der Stadt Marburg gefeierten Jubiläum: 200 Jahre nach Erscheinen der "Kinder- und Hausmärchen" der Brüder Jacob und Wilhelm Grimm. Gern verbinden wir dieses Jubiläum mit dem Hinweis auf unsere Archivbestände.

Nach einem Märchenbuch-Bild

Mittagsstille – Sonnentraum,
Die Grillen zirpen am Wiesensaum,
Im Wald tropfen goldene Flecken,
Leis klingt es in Büschen und Hecken. –
    Und dort im Walde auf moosigem Stein
    Schlummerte lächelnd das Märchen ein –
Es singt und rauscht der dämmrige Wald:
Der junge Königssohn komme bald,
Dornröschen, das holde, zu wecken!

(DSHI 190 Livland FA Wahl 032_1_7)

Dorothee M. Goeze und Peter Wörster