Ein schlesischer Dichter in Marburg, Christian Gottlieb Lischke (1780 – 1852)

Ein schlesischer Dichter in Marburg, Christian Gottlieb Lischke (1780 – 1852)
Ein schlesischer Dichter in Marburg, Christian Gottlieb Lischke (1780 – 1852)

Christian Gottlieb Lischke wurde am 5. Januar 1780 als Sohn Kürschnermeisters in Breslau geboren. Er starb am 19. August 1852 in Hirschberg.

In eine Handwerkerfamilie hineingeboren, sollte er dennoch eine höhere Bildung genießen, so Lischke in einem Vorwort zu „Poetischen Versuchen“ (alle folgenden Zitate stammen aus dem Bestand DSHI Lischke 05), die er 1821 in Hirschberg schrieb. Er ging drei Jahre auf das Elisabeth-Gymnasium in Breslau und bildete sich nach eigenen Worten auch selbst durch Lesen von Literatur und Schreibübungen fort. Doch musste er wegen der finanziellen Not seiner Familie die literarische Aus- und Fortbildung abbrechen: er ging in die Bürstenbinderlehre. Nach vier Jahren Ausbildung verließ Lischke Breslau und gelangte in den nächsten Jahren bis 1804 als Geselle nach: Frankfurt/Oder, Berlin, Magdeburg, Quedlinburg, Braunschweig, Leipzig, Torgau, Hildesheim, Frankfurt/Main, Glogau. Neben den von Lischke in einem Tagebuch genannten offiziellen Ausbildungsstätten in der „sogenannten Fremde“ reiht er auch noch alle anderen Orte auf, durch die er auf seiner Reise gekommen war. In der Reihe erscheint auch „Marpurg“ (wie in der Abb. eingefügt). Lischke war dort evtl. als literarisch interessierter Geselle, vielleicht noch nicht als Dichter.

1804 ging er nach Hirschberg, um sich als Bürstenbinderfabrikant zu „etablieren“. 1807 gründete er eine Familie. Als Bürger und Stadtverordneter war er ab den frühen 1830er Jahren eine offensichtlich anerkannte Persönlichkeit der Stadt Hirschberg. Mit dem Handwerk des Bürstenbinders, das Lischke nach eigenen Angaben nicht mochte, verdiente er immerhin den Lebensunterhalt für sich und seine Familie. 1821, also im Alter von 41, begann er seine „Poetischen Versuche“ (s.o.) zu veröffentlichen. An die zehn Werke mit Gedichten sind erschienen, alle als Subskriptionsschriften. Im Nachlass Lischkes befinden sich Listen der Subskribenten, die u.a. die Namen des Kronprinzen von Preußen und das Ministerium für Kultus und auch andere hochgestellte Persönlichkeiten nennen. Literarisch ist Lischkes Dichtung der schlesischen Romantik zuzurechnen. Inhaltlich macht er in seinem Schrifttum keinen Hehl aus seiner Begeisterung für Preußen, das Haus Hohenzollern und aus seiner Bewunderung für die Veteranen der Freiheitskriege.

Der Nachlass Lischkes in der Dokumentesammlung umfasst fünf Einheiten. Er enthält einige persönliche Unterlagen, Briefe von und an Lischke, daneben ein Konvolut mit nicht veröffentlichten Schriften und Gelegenheitsgedichten bzw. einigen Entwürfen veröffentlichter Gedichte. Besonders erwähnenswert ist das oben genannte Tagebuch, in dem Lischke „Mehrere wichtige Data meines Lebens“ aufzeichnet. Aufschlussreich mit der Schilderung seiner Geburt beginnend, führt er den Leser durch sein Leben.

Die Materialien des kleinen Nachlasses zeigen ein – vielleicht typisches – Beispiel eines Handwerkers, der Möglichkeiten suchte, sich in Gedichten literarisch wie politisch auszudrücken.

Dorothee M. Goeze und Peter Wörster