Nothelffer - oder wie kam eine bürgerliche Familie in die Livländische Ritterschaft?

Titelseite der Abschrift des Adelsdiploms, Wien 1785
Titelseite der Abschrift des Adelsdiploms, Wien 1785 (Sign.: DSHI 110 Nothelffer/Rautenfeld)
Wappen der Familie v. Nothelffer (aus dem Adelsdiplom)
Wappen der Familie v. Nothelffer (Sign.: DSHI 110 Nothelffer/Rautenfeld)

Im Mai dieses Jahres erwarb die Dokumentesammlung (DSHI) aus Privatbesitz das Familienarchiv Nothelffer/Rautenfeld. Während die Familie Rautenfeld bis in die Gegenwart „blüht“, gilt die Familie Nothelffer als eine „erloschene“ Familie, umso wichtiger sind die nun in der DSHI verfügbaren Teile des Familienarchivs. Die Familie Nothelffer stammte, wie der Quelle zu entnehmen ist, ursprünglich aus der Pfalz und kam mit Zwischenstationen im 17. Jh. nach Livland – meist als Pastoren. Sie war dort später sowohl in zivilen wie auch militärischen Ämtern tätig, war aber bis Ende des 18. Jhs. nicht adlig. Im Jahre 1783 strebten die drei Brüder Franz Gustav, Wilhelm Philipp und Carl Magnus v. Nothelffer nach der Erhebung in den Adelsstand, doch wurde ihr Antrag zunächst abgewiesen. Sie wandten sich daraufhin nach Wien und erwarben dort beim Kaiser das Adelsdiplom des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation, das am 29. April 1785 ausgestellt und von Kaiser Josef II. unterzeichnet wurde. Damit war auch das Recht verbunden, ein Wappen führen zu dürfen, das im Adelsdiplom beschrieben und auch bildlich dargestellt wurde. War eine Familie in Wien in den Adelsstand erhoben worden, musste sie sich in der Heimat um Anerkennung bemühen. Der erste Schritt war die Eintragung in das „Livländische Gouvernements-Adels-Geschlechtsbuch“, das adlige Familien erfasste, die nicht zum immatrikulierten (indigenen) Adel, also zu den Ritterschaften, gehörten. Solche „Gouvernements-Adels-Geschlechtsbücher“ gab es in allen drei Ostseeprovinzen. Die dort verzeichneten Familien hatten wie die Familie Nothelffer den Adelstitel entweder in Wien erhalten oder waren über entsprechende Laufbahnen in den russischen Dienstadel erhoben worden. Die Familie v. Nothelffer erreichte die Eintragung in das Gouvernements-Adels-Geschlechtsbuch von Livland am 26. August 1786.
Hatte eine Familie diesen Status erreicht, trachtete sie meist danach, auch einmal zum immatrikulierten Adel der Ostseeprovinzen zu gehören, um an dessen verbrieften Sonderrechten teilhaben zu können (Gütererwerb, Teilnahme am Landtag, Besetzung bestimmter Ämter). Die Familie v. Nothelffer erlangte das livländische Indigenat nach nur elf Jahren Wartezeit schon am 12. Januar 1797.
Im eingangs genannten Familienarchiv Nothelffer/Rautenfeld befindet sich eine Abschrift des 1785 in Wien ausgestellten Adelsdiploms. Diese Abschrift wurde im Oktober 1789 ebenfalls in Wien ausgefertigt, wie eine Originalbeglaubigung besagt. An anderer Stelle ist der Frage nachzugehen, warum die Familie sich 1789 um diese beglaubigte Abschrift in Wien bemühte. Möglicherweise steht diese in Zusammenhang mit den Bemühungen, das livländische Indigenat zu erwerben. Die archivische Überlieferung der Familie v. Nothelffer gelangte an die Familie v. Rautenfeld durch die 1809 erfolgte Heirat der Carolina Margaretha v. Nothelffer mit Reinhold Althoff von Rautenfeld.

Dorothee M. Goeze und Peter Wörster