Victor Dehio (1853-1930) – ein „fruchtbarer und feinsinniger Maler“

Zeichnung von Victor Dehio, Ende 19. Jh.: Reval, Nordturm der Vorderen Lehmpforte (Viru Väravad) mit Blick von der Wallstraße (Valli) (Archivsign.: DSHI 110 Grote–Victor Dehio 01)

Seit 2011 befindet sich das Archiv der Familie v. Grote in der Dokumentesammlung Herder-Institut (DSHI). Es ist von Umfang und inhaltlicher Bedeutung her eine der wichtigsten Erwerbungen der letzten beiden Jahre.  Die Materialien umfassen rund 30 Archivkartons mit weit über 600 Archivalieneinheiten. Dieser Bestand konnte in letzter Zeit verzeichnet sowie archivtechnisch bearbeitet werden. Bemerkenswerterweise ist innerhalb dieses Familienarchivs Grote ein Archiv der Revaler Familie Dehio enthalten, das durch Heirat in den Besitz der Familie v. Grote gelangte. Aus beiden Familien sind zahlreiche familienkundlich relevante Personaldokumente vorhanden. Im Kern handelt es sich – wie so häufig in ähnlichen Fällen – um eine Sammlung verschiedener Nachlässe bedeutender Angehöriger der Familien v. Grote und Dehio. Stellvertretend seien aus der Familie Dehio insbesondere die (Teil-)Nachlässe der bekannten deutschbaltischen Schriftstellerin Else Hueck-Dehio (1897-1976) und ihres Vaters Karl Dehio (1851-1927) erwähnt, der 1883 an die Universität Dorpat berufen und hier 1886 zum Professor für Pathologie ernannt wurde. Er blieb in Dorpat auch in der Zeit der Russifizierung und auch während des Ersten Weltkriegs, so dass er 1918 von der deutschen Militärverwaltung zum Rektor der nur ein Semester bestehenden Deutschen Universität Dorpat ernannt werden konnte. Große Beachtung verdienen auch Unterlagen seines Bruders Victor Dehio, geb. 1853, gest. in Heidelberg 1930, der die Mal-Akademie in St. Petersburg besuchte und als „fruchtbarer und feinsinniger Maler“ galt (so: Deutsches Geschlechterbuch, Bd. 79, Baltikum, S. 53), über den bisher aber wenig geforscht wurde. In einer Kunstmappe befinden sich einige seiner Zeichnungen. Die meisten haben einen Bezug auf Reval (Tallinn). Wiedergegeben ist hier der Blick auf den Nordturm der Vorderen Lehmpforte (Viru Väravad), später wegen des Baus der Pferdebahn abgerissen, mit Blick von der Wallstraße (Valli).

Allen Lesern dieses Dezember-Archivales wünschen wir ein frohes, gesegnetes Weihnachtsfest und viel Glück im neuen Jahr 2013.

Dorothee M. Goeze und Peter Wörster