Ein Tausch von Gartengrundstücken zwischen Stockholm und Reval 1641

Vertrag über den Tausch von Gärten, 1641 IX 16 (DSHI 110 Campenhausen Null b 2, Abb. mit frdl. Genehmigung des Eigentümers)
Vertrag über den Tausch von Gärten, 1641 IX 16 (DSHI 110 Campenhausen Null b 2, Abb. mit frdl. Genehmigung des Eigentümers)

Wie im Archivale des Monats Dezember des Jahres 2010 angekündigt, werden an dieser Stelle im Jahr 2011 zu Ehren der Kulturhauptstadt Tallinn Quellen aus der DSHI vorgestellt, die mittelbar oder auch ganz direkt mit der Geschichte von Tallinn/Reval zu tun haben.

In der folgenden Quelle gibt es zwei Protagonisten:
Da ist einmal der Politiker in schwedischen Diensten, Jakob de la Gardie, der in der für Estland von Brüchen und Umbrüchen geprägten Zeit Anfang des 17. Jahrhunderts tätig war: Er war Gouverneur von Estland und Livland, also in Reval und Riga. Schon im Livländischen Krieg war er schwedischer Feldmarschall, später dann  Reichsrat: Besonders in seiner Funktion als Gouverneur von Reval war er dieser Stadt zugetan. De la Gardie ist 1583 in Reval geboren und starb 1652 in Stockholm. 1641 tauschte er ein Gartengrundstück in Reval mit Herman Kamphusen, der ein solches in Stockholm besaß.
Über Herman Kamphusen kann aus der Familiengeschichte bzw. dem Familienarchiv von  Campenhausen berichtet werden: Herman Kamphusen wurde 1590/1600 (wohl in Lübeck) geboren und starb 1655/65 in Stockholm. Zu wissen ist, dass er sich 1626 in Stockholm mit Gertrud von der Linde verheiratete. Sein Sohn Lorenz wurde 1665 nobilitiert.
Die hier wiedergegebene Urkunde stammt aus dem Familienarchiv von Campenhausen und ist eine der wenigen frühen Original-Überlieferungen des Familienarchivs „aus der Zeit vor dem Nordischen Krieg“ (so Prof. Bernhard v. Barsewisch, Groß Pankow / Prignitz,  am 27.7.2011 in einem Brief an die Dokumentesammlung). Der Zustand der Pergamenturkunde mit drei Siegeln kann als gut bezeichnet werden. Der Text ist der Zeit entsprechend in schwedischer Sprache abgefasst.

Im Regest heißt es über den Tausch des Gartengrundstücks:

„Jacob de la Gardie bezeugt, unter Hinzufügung der Evictionsklausel, daß er dem Herman Kamphusen gegen deßen Haus und Garten in der südlichen Vorstadt von Stockholm tauschweise überlassen habe seinen eigenen, am Stadtgraben bei der Kariepforte zu Reval belegenen Garten; bei Zugabe einer Summe Geldes und gewißer Baumaterialien.
Stockholm, 1641“ (DSHI 110 Campenhausen 0[Null] b 2)

Die schwedischsprachige Urkunde ist unter der Signatur DSHI 110 Campenhausen in zwei Übersetzungen vorhanden: einmal unter DSHI 110 Campenhausen Null b 3: eine zeitgenössische Übersetzung aus dem Stadtarchiv Reval (B.F.58) und unter DSHI 110 Campenhausen 781 in einer deutschen Übersetzung von Hermann von Bruiningk (1849-1927) 1910 (in einem Konvolut unter der Überschrift: „Critischer Spaziergang in der Familienforschung“) aufbewahrt. Die Urkunde führt uns zu den Anfängen der Geschichte der Familie von Campenhausen im Baltikum. Sie steht am Beginn einer fast 300 Jahre dauernden Wirksamkeit für die baltischen Provinzen und für das Russische Reich. Sie wird, mit einigen behutsamen Korrekturen schon durch Bruiningk versehen, hier zitiert:

Wir Jacobus de la Gardie, Graf zu Leckö, Freiherr zu Eckholm, Herr zu Hapsal, Dagö, Kolk, Hyda und Rynsza,- Ritter, des schwedischen Reiches Rat, Marschall, General-Feldherr, des Königlichen Kriegsgerichts Präsident und Oberlandrichter in Upland, - tun kund, daß wir vollzogen haben einen festen und unverbrüchlichen Tausch von Grundplätzen mit dem ehrlichen und wohlgeachteten Herman Kamphusen, dieser königlichen Residenzstadt Stockholm Einwohner und Handelsmann, dergestalt, daß er uns sein Wohnhaus nebst Baumgarten, hier in Stockholm, in der südlichen Vorstadt, bei Åkare-Myhra und der kleinen Reeperbahn, in nächster Nähe von Hans Brehmers Baumgarten belegen, in der Länge und Breite wie es vor Augen steht und von einem festen Plankenzaun umschlossen ist, aufgelassen hat. Dagegen haben wir ihn zu einer festen und genügsamen Widerlage aufgelassen unsern Baumgarten in Reval, unmittelbar außerhalb des Stadtgrabens, bei der Kariepforte, in derjenigen Länge und Breite wie sie nun mit Planken umgrenzt ist, sind da des bemeldeten Kamphusens Baumgarten, den er uns eingeräumt hat, beßer ist als unser Garten in Reval, dem wir ihm als Widerlage gegeben, - bebaut sind mit verschiedenerlei fremden Fruchtbäumen besetzt, so haben wir ihm als Gegenerkenntlichkeit zugesagt und liefern lassen vierhundert Species-Reichsthaler, zweihundert Balken und dreißig Dutzend Sägebretter. Demnach entsagen wir für uns, unsere geliebte Gemahlin und Erben dem vorgenannten Garten und eignen ihn zu dem mehrfach bemeldeten Kamphusen, seiner Gattin und Nachkommen, -  nebst Zaun und Grund und allem, was zu demselben Garten gehört, dort belegen ist und seit alters gehört hat und belegen gewesen ist, es zu brauchen, nutzen und haben, mit gleicher Willkühr und Freiheit, die wir bisher gebraucht und gehabt haben, zu immer währendem wohlerworbenen Eigentum unanfechtbar zu behalten. Sollte aber der bemeldete Garten vom bemeldeten Herman Kamphusen oder deßen Erben durch irgend einen gerichtlichen Proceß abgenommen werden, so verpflichten wir uns und unsere Erben, einen eben so guten Garten als Widerlage zu geben, mit gleicher Willkühr und Bequemlichkeit, und zwar binnen sechs Wochen nach erfolgtem Urteilsspruch. Zu mehrerer Gewißheit und besserer Verwahrung haben wir dieses mit eigener Hand und Secret [siegel] bekräftigt und zudem die nachgeschriebenen nachgeborenen Herren, Herrn Lars Sparre zu Hokerum, Daeröö und Ulfåksa, des schwedische Reiches Rat und des Königlichen Hofgerichts Assessor zu Stockholm etc. sowie Knut Posse zu Hellekis und Hammarskog, des schwedischen Reiches Rat und Kammerrat etc. bruderfreundlich gebeten, daß sie dieses zugleich mit uns unterschreiben und bekräftigen mögen. So geschehen in Stockholm den 16 September 1641.

Jacobus de la Gardie m.p. [manu propria], Graf zu Leckö
Lars Sparre m.p. [manu propria]
Knutt Påße m.p. [manu propria]

Dorothee M. Goeze und Peter Wörster