Ein lieber getreuer Bürgermeister von Reval, Heinrich von Lohn

Gustav Adolf 1622 Jan 16 für den Revaler Bürgermeister Heinrich von Lohn (Abb. mit frdl. Genehmigung des Eigentümers (DSHI 190 Estland 335))

Wie im letzten Archivale des Jahres 2010 angekündigt, werden an dieser Stelle im Jahr 2011 zu Ehren der Kulturhauptstadt Tallinn Quellen aus der DSHI vorgestellt, die mittelbar oder auch ganz direkt mit der Geschichte von Tallinn/Reval zu tun haben.

Den Anfang im Januar macht eine Urkunde aus dem Jahr 1622, die für den Bürgermeister von Reval, Heinrich von Lohn (auch: Heinrich vom Lohn), vom schwedischen König Gustav Adolf in Narva am 16. Januar ausgestellt wurde.
Sie ist ein kleines Zeugnis für den Anfang des 17. Jahrhunderts, der geprägt war von den Auseinandersetzungen um die Vorherrschaft in den Ländern rund um die Ostsee , also um das Dominium Maris Baltici, in unserem Zusammenhang besonders zwischen Schweden und Polen-Litauen. Die Städte und ihre Repräsentanten wie z. B. die Mitglieder des Rates und ihre Familien waren wichtige politische Faktoren, galt es doch, Machtpositionen zu erhalten, zu nutzen und auszuweiten (vgl. für Reval: Ernst Gierlich, Reval 1621 bis 1645, Bonn 1991, der sich im wesentlichen auf die Ratsprotokolle im Stadtarchiv Reval stützt).
Der Bürgermeister von Reval, Heinrich von Lohn, hat offenbar niemals einen Hehl aus seiner Loyalität zur Krone Schwedens, und damit zu König Gustav Adolf, gemacht. Aus diesen Gründen wird er, übrigens wie fast zu gleicher Zeit der Bürgermeister von Riga, Thomas von Ramm, mit Land und dessen Bauern belohnt, in beiden Fällen in der Nähe des späteren Baltischport im Kreis Harrien.

Sprache und Inhalt des Dokuments sollen hier in der kurzen Form des Archivale des Monats für sich selbst sprechen. Eine reguläre Urkunden-Edition wird an anderer Stelle folgen.

Wir Gustaff Adolff von Gottes Gnaden der Schweden, Gothen und Wendenn Koning, Großfürst in Finlandt, Hertzogh zu Ehestenn unnd Carelen, Herr zu Ingermanlandt Thun hirmitt für unns unnd unnsere Succeßoren zu wissenn unnd kegen menniglichen kundt unndt Offenbar. Demnach der Ehrnvester unnd wollweiser unnser Stadt Revall Burgermeister unnd lieber getrewer H[err] Heinrich vom Lohn1 Unns unnd der Crone Schwedenn zu jederzeit getrewen dienste beweisenn, unnde sich wilfartig bezeigett. Als habenn wir hiewiederumb Ihme unnsere Besondere begnadigung erwiesenn wollen. Gonnen und geben Demnach Krafft dieses Ihm unnd seinen Erben den Hoff Krutzkerck2 genandt im Patschenn3 gebiede mit dreyen Dorpffern, das eine Dorpff genandt Kommist4 mitt Neun Hakenn Landes, das Annder Dorff Kullasall5 mitt Neun Hacken Landes sampt der Hoffstede, das dritte Dorff Kallama6 mit sieben Hackenn Landes mit der druegen Muele Walckama7 sampt Allen Ihren Zugehoerenden Bauren die von Alters here dazu gewesenn unndt noch sein, nebenst Alle die einfueslinge8 so Zu dem Lande gehoeren in Ihren grentzen unnd Marcken wie dieselbe Alters Hewgelegen, Eckernn, Hewschlegenn, Holtzungen, Vieschereyenn, Viehedrifften, Jagten, Gericht unnde Gerechtigkeit Unnd Allen Annderen Nutzbarkeitenn wie die Namen haben muegen oder ehr sich zu nuetz machen kan nun unnd zu stets wehrender Zeitt nach Harrischenn unnde Wirlandischen Rechten gleichst Annderen daselbsten, eingesessenen vom Adell Erb und eigenthumblich zu besitzen, zu geniessen unnd frey unnd friedsam zu gebrauchen, zu versetzen, zu verpfenden unndt zu verkauffen seines gefallenns Auch seine Erben und Erbnemer [offensichtlich Einschub]. In Kundt haben wir dieses mitt Unnser Handt unnterschrieben unndt Koniglichen Insiegell beglaubigett. Gegeben Auff unnserm Koniglichen Schlos Narve den 16 januarij Anno 1622.

[Unterschrift] Gustavus Adolphus

 

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1  Heinrich vom Lohn / Heinrich von Lohn gest. 1626, vgl. Ernst Gierlich, Reval 1621 bis 1645, Bonn 1991, dort in mehreren Belegstellen der Ratsprotkolle der Stadt
2 Krutzkerck: Kreuzhof, estn. Risti (Vgl. wie auch die anderen Ortsnamen: Balt. Histor. Ortslexikon, Estland, 1985)
3 Patschenn: wohl Padis-Kloster, estn. Klooster bzw. Padise
4 Kommist: Kemmast, estn. Kõmmaste
5 Kullasall: Küllasall, estn. Kirikküla
6 Kallama: wohl Kallamatz, estn. Kahmatsu
7 Muele Walckama, im 16. Jh. auch Walkmulla , eigentlich Walgma (e. Valgma)
8 Einfüßlinge: Ein Bauer, der keinen Vollbauernhof in Nutzung hatte. Auf dieser Grundlage war er zu Frondienst und Abgaben verpflichtet (Online-Publikation der Balt. Histor. Kommission, 2006, http://www.balt-hiko.de/online-publikationen/baltisches-rechtswörterbuch/)

Dorothee M. Goeze und Peter Wörster