Elisabeth Goercke (1888-1966) - deutschbaltische Dichterin aus Kurland

Elisabeth Goercke in ihrem Elternhaus (?) in Talsen an ihrem Flügel sitzend und eine Partitur lesend, Photo wohl vor 1914 (DSHI 140 Balt 374).
Brief Elisabeth Goerckes vom 9.4.1947 an Kuno Hagen aus Bergzow in Brandenburg (DSHI 140 Balt 460, Bl. 50 f.)

Elisabeth Goercke gehört zu den heute nur mehr selten gelesenen schriftstellerischen Begabungen, an denen gerade die deutschbaltische Literatur so reich war und ist. Das offenbar letzte zu Lebzeiten verlegte Buch „Die Sonnenuhr. Gedichte“ kam 1964 bei Mayer & Söhne in Aichach/Obb. heraus. Am meisten verbreitet ist wohl „Heimat in uns. Baltische Erinnerungen“, 1959 bei Harro v. Hirschheydt erschienen.

Elisabeth Goercke ist im „Deutschbaltischen Biographischen Lexikon 1710-1960“, in May Redlichs „Lexikon deutschbaltischer Literatur“ (1989) und ausführlich im „Lexikon der deutschsprachigen Literatur des Baltikums und St. Petersburgs“ von Carola L. Gottzmann und Petra Hörner (2007) berücksichtigt. Nicht zuletzt haben sich Gero v. Wilpert („Deutschbaltische Literaturgeschichte“, 2005) und Maris Saagpakk („Deutschbaltische Autobiographien als Dokumente des Zeit- und Selbstempfindens“, 2006) mit Elisabeth Goercke beschäftigt.

Goercke wurde am 25. 5. 1888 in Talsen (Kurland) geboren und ist am 20. 6. 1966 in Bad Dürrenberg bei Merseburg verstorben. Ihre Eltern waren Otto Goercke (Apotheker in Talsen) und Wilhelmine, geb. Kannenberg. Nach Privatunterricht in ihrer Heimatstadt reiste Elisabeth nach Deutschland und unternahm Malstudien in München und Musikstudien in Berlin. Nach der Rückkehr nach Talsen war sie dort bis zur Umsiedlung 1939 Klavierlehrerin, Schulpianistin am Gymnasium, Schriftstellerin und Übersetzerin. 1923 heiratete sie den Forstbeamten Edgar Braunz. 1940-1945 lebte sie in Włocławek (damals Leslau) an der Weichsel, danach in der Mark Brandenburg, zuletzt in der Nähe von Merseburg.

In der DSHI Marburg befinden sich zwei kleine Bestände, die die deutschbaltische Dichterin Elisabeth Goercke betreffen und die für weitere Studien über sie nicht uninteressant sind.

Im Oktober 1980, also vor 30 Jahren, veröffentlichte das Archiv des Herder-Instituts Marburg in den „Baltischen Briefen“ die Bitte, Materialien von und über Elisabeth Goercke einzusenden, um so Quellen für weitere Studien über diese deutschbaltische Schriftstellerin an zentraler Stelle zu sammeln und zu bewahren. Was zusammenkam, bildet den kleinen Bestand „DSHI 140 Balt 460“. Darin befinden sich: Briefe der Dichterin (1947-1957, meist in Kopie), Abschriften zahlreicher Gedichte und Erzählungen, z.T. wohl von der Dichterin selbst; die Vertonung des Gedichtes „Trauermantel“ des deutschbaltischen Komponisten Bernhard Frese; acht Photos, die Elisabeth Goercke zwischen 1956 und 1966 zeigen; vier ihrer monographischen Veröffentlichungen: Nicht Untergehen. Gedichte einer Kurländerin. 2. Aufl. Berlin-Riga-Leipzig o.J. (Erstauflage 1917); Flügel zur Freude. Gedichte. Berlin u. Leipzig 1925; Heimat in uns. Baltische Erinnerungen. Hannover 1959; Die Sonnenuhr. Gedichte. Aichach/Obb. 1964 (Kopie).

Außerdem gibt es im Bestand „DSHI 140 Balt 374“ 76 Originalbriefe von Mary Blahse, verh. Velte, Arzttochter aus Talsen, Lehrerin, an ihre Freundin Margarete (Grete) Rother, verh. Löhner, Lehrerin in Leipzig und Freiberg/Sa., aus den Jahren 1912-1935. Dazu gehört ein Exemplar der 1. Aufl. von „Nicht untergehen“ von Elisabeth Goercke. Darin liegen zwei Photos, die Goercke zeigen, einmal in ihrem Elternhaus (?) in Talsen an ihrem Flügel sitzend und eine Partitur lesend, zum anderen in einem Garten, wohl auch in Talsen. Beide Photos sind nicht datiert, dürften aber aus der Zeit vor 1914 stammen. Nicht zuletzt dieser Gedichtband und die beiden Photos bezeugen, daß Mary Blahse und Elisabeth Goercke in enger freundschaftlicher Verbindung standen und daß dieses Band der Freundschaft die „reichsdeutsche“ Lehrerin Margarete Rother mit einbezog, wo immer diese die kurländische Dichterin kennengelernt haben mag. Dieses und vieles andere mehr mag bei intensiver Auswertung der Briefe festgestellt werden.

Dorothee M. Goeze und Peter Wörster