Ein Schulzeugnis vor dem Sommer

Schulzeugnis vom 20. Juni 1826 für Victor von Transehe (DSHI 190 Livland FA Transehe 12)

Die Sommerferien in den Monaten Juni, Juli, August sind heutzutage für Schüler meist mit einem Schulzeugnis verbunden. Dieses kann versetzungsrelevant sein, oder wie das hier vorliegende, lediglich ein Halbjahreszeugnis sein, entsprechend dem zeitlichen Ablauf eines Schuljahrs Anfang des 19. Jahrhunderts in Livland. Wie heute kann die Beurteilung einmal vorhersehbar gut, manchmal  aber auch mit Kritik verbunden sein. Relativ ausgeglichen ist das gezeigte „Schul- und Sittenzeugnis“ für Victor von Transehe (1813-1870), der als 13-jähriger eine sittliche Bildung „Ganz ohne Tadel“ zeigte und eine fleißige geistige Bildung, die aber nach Meinung der Lehrer noch verbesserungswürdig ist, wie es in der rechten Spalte sehr zurückhaltend formuliert ist. Neben der Beurteilung für den Schüler wird noch mitgeteilt, dass die Ferien 4 Wochen bis zum 20. Juli dauern und dass das Zeugnis „bei der Rückkehr des Zöglings mit der Unterschrift der Eltern wieder vorgezeigt“ werden muss. Alles so, wie es Schüler auch heute handhaben sollen.

Das Zeugnis ist ausgestellt für Victor von Transehe. Er wurde als Sohn des Livländischen Landrats und Präsidenten des Livl. Konsistoriums, Nicolaus Johann(es) von Transehe (1779-1858), 1813 auf Dutkenshof in Livland (heute Lettland) bei Wolmar geboren, war Besitzer von Neu-Wrangelshof und den anderen Familiengütern, Arrendator von Alt-Wrangelshof und Gardeleutnant der Reserve. Er starb 1870 auf Neu-Wrangelshof.
Unterschrieben hat dieses Zeugnis Friedrich August Ferdinand Geldner (wohl 1790-1856), in Wolmar geboren und Vorsteher der dortigen Knaben-Lehranstalt, für die dieses Zeugnis auch ausgestellt wurde. Er wird gelobt für seine „vielseitige  literarische Bildung und künstlerische Begabung“ (vgl. „Das Inland“ 1858) und war ein an der Universität Dorpat ausgebildeter Theologe. Er starb in Dorpat.
Auch unterschrieben hat: Johann Friedrich Wilhelm Girgensohn (1799-1847), in Neu-Pebalg 50 km südöstlich von Wenden geborenerTheologe und Lehrer; er war von 1824 bis ca. 1829 in Wolmar an der oben genannten Knaben-Lehranstalt von Friedrich Geldner tätig und starb in Salisburg, nordwestlich von Wolmar.

Dorothee M. Goeze und Peter Wörster