Libau – eine baltische Hafenstadt

Stadtplan von Libau um 1740 [1. Hälfte 19. Jh.]
Stadtplan von Libau um 1740 [1. Hälfte 19. Jh.]

Wer denkt in den Sommermonaten nicht an einen Ort am Meer oder an einem See. In der Stadt Libau wird beides durch ihre markante Lage zwischen Ostsee und dem „Libauschen See“ vereinigt. Hier einige historische Dokumente:

Im "Libauschen Haus-Kalender" von 1928 heißt es: "Um 1800 war Libau eine Stadt von etwa 5000 Einwohnern mit kleinen hölzernen Häusern. Große, heute bebaute Teile waren von Sandflächen und Weideplätzen eingenommen, und eigentlich recht verödet werden wir uns die Umgebung des Strandes vorstellen müssen. Schon zu Beginn des vorigen [19.] Jahrhunderts meinten die ‚ältesten Einwohner‘, ein jährliches Wachstum des Strandes bemerkt zu haben, und wir werden nicht zweifeln dürfen, daß das Sandtreiben bei westlichen und südwestlichen Winden sehr lästig war." (Libauscher Haus-Kalender 1928, hier nach Baltische Hefte 14, Band 1968, S. 253 [Beitrag von Oskar Büttner, insg. S. 253-258]).

Über den uns heute im Deutschen geläufigen Stadtnamen schreibt ausführlich Imants Lancmanis, der führende lettische Kunsthistoriker und Denkmalpfleger:  „Von 1560 an [also seit 450 Jahren!] können wir den gewohnten Namen Libau annehmen“ S. 7. Und in seinem Vorwort zum Standardwerk über Libau: Libau. Eine baltische Hafenstadt zwischen Barock und Klassizismus. Köln u.a. 2007 [Übersetzung aus dem Lettischen, Original: Riga 1983]: "Libau ist immer dynamisch gewesen und war bestrebt, sich sowohl im wirtschaftlichen als auch im kulturellen Leben zu behaupten. In seiner Rührigkeit war es Riga näher als den anderen Städten in Kurland, die gemütlich vor sich hin schlummerten. Obgleich Libau 1941 stark zerstört wurde, fehlt es hier doch nicht an Zeugnissen der Vergangenheit." S. X [Vorwort]

Gerade an diesem Punkt lohnt es sich, bei Lancmanis weiterzulesen…
Aus der Dokumentesammlung, dem Archiv des Herder-Instituts, ist zu berichten, dass der abgebildete, nicht vollendete, Stadtplan (der auch im Werk von Imants Lancmanis erscheint) Libau um ca. 1740 zeigt und wohl in der 1. Hälfte des 19. Jhs. gezeichnet wurde.  Der Stadtplan stammt aus dem Archiv der Kurländischen Ritterschaft, das die DSHI als Depositum aufbewahrt. Die Sammlung der Karten und Pläne der Kurländischen Ritterschaft umfasst knapp 90 Karten von Kurland, Stadtpläne, Karten von Pastoratswidmen, von ritterschaftlichen Familien gehörenden Gütern, Pläne vom Schloss Mitau, und auch Karten von Livland, daneben zahlreiche einzelne Gutskarten.
Außerdem befinden sich in der Dokumentesammlung noch einzelne Dokumente (aus dem 17. bis 19. Jh.) der Kleinen Gilde von Libau, die ihren Teil zur Stadtgeschichte beitragen können, darunter Abschriften und auch viele Originalbriefe der Herzöge von Kurland aus dem 17. Jh., Gerichtsakten, eine Handelsordnung für die Handwerksämter aus dem 18. Jh. und auch einige persönliche Dokumente wie Taufscheine.

Dorothee M. Goeze und Peter Wörster