Albert Breyer zum 70. Todestag

Abb. Coppernicus-Preis 1940. Urkunde über die posthume Verleihung des Preises an Albert Breyer (DSHI 100 Breyer, A. B/1).
Abb. Coppernicus-Preis 1940. Urkunde über die posthume Verleihung des Preises an Albert Breyer (DSHI 100 Breyer, A. B/1).

Deutscher Schulmann und Siedlungsforscher in Polen, 1939 gefallen für die Republik Polen

In der DSHI (Dokumentesammlung Herder-Institut Marburg) befindet sich als Kopienbestand ein Teil des Nachlasses von Albert Breyer, der im Original im Staatsarchiv Posen (Poznań) aufbewahrt wird, angereichert um wenige Originalstücke aus dem persönlichen Besitz des Sohnes Dr. Richard Breyer (Archivsign.: DSHI 100 Breyer, A.). Aus Anlaß des 120. Geburtstages und des 70. Todestages soll an Albert Breyer und den hiesigen Archivbestand erinnert werden.

Albert Breyer wurde im Januar 1889 in Żyrardów in der Nähe von Warschau, damals Russisch Polen, geboren und ist im September 1939 in Warschau als Offizier der polnischen Armee für Polen gefallen.

Albert Breyer hatte in verschiedenen Lehrerbildungsstätten und Universitäten (u.a. St. Petersburg, Krakau, Warschau) studiert und den Beruf des Lehrers ergriffen und mit „leidenschaftlicher Hingabe“ (so sein Sohn Dr. Richard Breyer) bis 1937 (zuletzt in Sompolno, Kujawien) ausgeübt, als ihm die Lehrerlaubnis vom polnischen Staat entzogen wurde. Danach war er bis zum Sommer 1939 Bibliothekar in Posen.

Weit über seine engere Heimat hinaus wurde Albert Breyer durch seine systematischen Forschungen zur Geschichte der Deutschen in Kongreßpolen bekannt. Seine Materialsammlungen galten als die bis dahin gründlichsten zu diesem Themenbereich. In einer Reihe kleinerer Veröffentlichungen hat er einige Ergebnisse seiner Bemühungen zu Lebzeiten noch veröffentlichen können. Ein größeres Werk über die „Deutsche Tuchmachereinwanderung in den ostmitteleuropäischen Raum“ war im Manuskript bei seinem Tode weitgehend abgeschlossen, konnte aber erst posthum 1941 herausgegeben werden. Die umfassende Gesamtdarstellung der Geschichte der Deutschen in Mittelpolen zu schreiben, in die alle Recherchen und Vorstudien münden sollten, blieb ihm durch die schicksalhaften Ereignisse des deutsch-polnischen „September 1939“ verwehrt.

Entsprechend dem Mobilmachungsbefehl meldete er sich in Kutno zur polnischen Armee, einen Tag, bevor er als prominenter Vertreter der Deutschen in Polen (zusammen mit seinem ältesten Sohn) hätte verhaftet werden sollen. In den ersten Tagen des Krieges schwer verwundet, starb er am 11. September 1939 in einem Lazarett in Warschau 

Die Bemühungen von Dr. Richard Breyer (1917-1999) um die Herausgabe des Nachlasses seines Vaters aus dem polnischen Staatsarchiv Posen stellen ein besonderes Kapitel deutsch-polnischer Beziehungen in der Nachkriegszeit dar.

(Vgl. RICHARD BREYER: Albert Breyer – Schulmann und Siedlungsforscher. In: Ostdeutsche Gedenktage 1989, Bonn 1988, S. 8-11).

Dorothee M. Goeze und Peter Wörster