Von Gütern, Gutsherren und Bauern - Ein Beitrag zur Gütergeschichte Estlands

Beispielseite aus dem Arbeitsmaterial von Alfred von Hansen zu Allo, Kr. Rappel
Beispielseite aus dem Arbeitsmaterial von Alfred von Hansen zu Allo, Kr. Rappel

Herrenhäuser und ihre Geschichte finden immer wieder das Interesse der Öffentlichkeit.
Mit ihnen wird die Geschichte von Familien, von Familiendynastien, von Gütern, von bäuerlicher Bevölkerung, von Regionen, von Landesgeschichte oder aber auch von Architektur- und Kunstgeschichte oder auch ganz allgemein die Landesgeschichte erzählt.
Dieses gilt auch für das Baltikum und seine Geschichte. So bezieht sich das hier vorgestellte Archivale des Monats auf Güter im Gouvernement Estland. Es stammt aus dem Arbeitsmaterial von Alfred von Hansen (1900-1983). Dieser ist vielen Baltikum-Forschern eher als Autor genealogischer Arbeiten bekannt: Stammtafeln nichtimmatrikulierter baltischer Adelsgeschlechter, Reval 1932-1939 bzw. (im Reprint) Hamburg 1961-1963. Alfred von Hansen hatte sich daneben jedoch auch mit dem Thema der Estländischen Güter beschäftigt und zwar in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Er wollte damit ein verlorengegangenes Manuskript von Ernst Baron Maydell (1900-1942) fort- bzw. ersetzen. Dabei ging es schon Maydell und damit später auch Hansen (wir verdanken diese Hinweise Herrn Botschafter a.D. Henning von Wistinghausen) nicht um eine Gütergeschichte im historisch-wissenschaftlichen Sinne, sondern eher um die Darstellung der Bauten, seiner Bewohner und der Umgebung. In der Dokumentesammlung des Herder-Instituts gehört dieses Material zur Estländischen Ritterschaft („Material zur Gütergeschichte Estlands“ DSHI 190 Estland 160-196), das nicht veröffentlicht wurde. Es handelt sich überwiegend um handschriftliche Notizen, so wie sie auf der Abbildung zu sehen sind. Sehr heterogenes Material (DIN A 4-Durchschlagpapier und kleinere Zettel, die meist in Zweitverwendung benutzt wurden. Auch die verkürzte Zitierweise der Quellen oder ihre Nichtnennung weisen auf einen vorläufigen Zustand des Materials hin. Dennoch zeigen Zeugnisse anderer Forscher z.T. in Form von Originalkorrespondenz auf die Bedeutung des Themas und des Materials hin. Briefe und Hinweise von Erik Amburger, Georg von Krusenstjern, Olaf Welding, Henning von Wistinghausen, Wilhelm von Wrangell, Heinz von zur Mühlen. In der Ausführlichkeit der Informationen kann sich dieses Material durchaus als Ergänzung in die schon bestehenden veröffentlichten Werke über estnische Gütergeschichte und deren Architektur einfügen.
Das Material kam in 37 Aktenordnern in der von Alfred von Hansen vorgenommenen Ordnung in die Dokumentesammlung. Inzwischen sind diese Ordner, die Ordnung von Hansen beibehaltend, aufgelöst, die Materialien archivgerecht aufbereitet und erschlossen worden, so dass eine Datei mit gut 550 Güternamen und 40 Kirchspielnamen für die wissenschaftliche Forschung zur Verfügung steht.

Dorothee M. Goeze und Peter Wörster