Geboren vor 140 Jahren – Alexander v. Meyendorff

Porträt Alexander v. Meyendorffs (1869-1964 aus dem Jahr 1962: Photosammlung Georg v. Krusenstjern im Bildarchiv Foto Marburg, Nr. 1.276.754, mit frdl. Genehmigung der Baltischen Ritterschaften)
Porträt Alexander v. Meyendorffs (1869-1964 aus dem Jahr 1962: Photosammlung Georg v. Krusenstjern im Bildarchiv Foto Marburg, Nr. 1.276.754, mit frdl. Genehmigung der Baltischen Ritterschaften)
Brief des an der Univ. Königsberg wirkenden Theologen u. Slawisten Nikolaus v. Arseniew v. 4. März 1926 in russischer Sprache: DSHI 100 Meyendorff 78.
Brief des an der Univ. Königsberg wirkenden Theologen u. Slawisten Nikolaus v. Arseniew v. 4. März 1926 in russischer Sprache: DSHI 100 Meyendorff 78.

Der bedeutende deutschbaltische Politiker, Jurist und Historiker Alexander v. Meyendorff wurde am 10.4.1869 in Baden-Baden geboren. Sein Vater Felix (+ 1871) war damals Russischer Gesandter am Badischen Hof. Die Familie Meyendorff auf Klein Roop (Livland) hatte dem Russischen Reich schon mehrere bedeutende Beamte und Diplomaten gestellt, seine Mutter war eine Tante des russischen Ministerpräsidenten Stolypin (1862-1911).

Das Kind dieser deutsch-russischen Mischehe sprach zu Hause Französisch. Deutsch lernte Meyendorff während seiner Gymnasialzeit in Stuttgart und Weimar, Russisch erst in Weimar in der Lehranstalt von Vasilij Rozanov. Nach seinem Abitur in Weimar 1888 studierte Meyendorff bis 1892 Jura in Petersburg und machte hier 1896 das Magistereamen. 1897-1899 war er  geschäftsführendes Mitglied der Kurländ. Gouvernements-Kommission für Bauernfragen, 1899-1903 Leiter der Abt. für bäuerliche Angelegenheiten im Innenministerium in Petersburg, 1902-1905 Privatdozent für russisches Agrarrecht an der dortigen Universität; als Besitzer von Klein Roop 1907-1917 livländ. Abgeordneter der 3. und 4. Duma. 1912-1920 livländ. Landrat. Nach der kommunistischen Machtübernahme verließ er 1919 Rußland und lebte in England. Bis 1934 war er Prof. für bürgerliches Recht an der Political High School in London, 1930 Dr. h.c. der University of Durham. 1934-1939 lebte er in Finnland, danach bis zu seinem Tod am 20.2.1964 wieder in England.

Der Nachlaß wurde z. T. noch zu Lebzeiten Meyendorffs aus England über Wilhelm Lenz sen. (1906-1976) und Olaf Welding (1893-1960) ins Herder-Institut Marburg übergeben. Ein versprengter Nachlaßteil kam aus England zur Carl-Schirren-Gesellschaft nach Lüneburg. Weitere Teile des Nachlasses befinden sich für die Zeit bis 1918 im Hist. Staatsarchiv Lettlands in Riga, im ehemaligen Zentralen Staatsarchiv der Oktoberrevolution in Moskau und für die Zeit von 1919-1939 im Finnischen Staatsarchiv in Helsinki.

Der in Marburg befindliche Teilnachlaß enthält viel Biographisches, umfangreiche Korrespondenzen mit Fachkollegen, mit russischen, lettischen und polnischen Emigranten sowie mit Deutschbalten (Józef Hutten-Czapski u. andere Angehörige dieser Familie, Leonid Arbusow d.J., Nikolaj von Arseniew, Alexander Friedenstein, George Peabody Gooch, Michail Aleksandr Gortschakov, Werner Hasselblatt, Otto Hoetzsch, Angehörige der Familien von Campenhausen, Meyendorff, Stolypin, Tolstoj, Trubeckoj, Struve u.a.); Korrespondenzen mit verschiedenen Universitäten, Bibliotheken und Gesellschaften, mit Verlagen und Zeitungen, mit Behörden in verschiedenen Ländern (u.a. betr. Rechtsstellung von Deutschbalten und Emigranten, betr. Ein- bzw. Auswanderungen); Materialsammlungen und Vortragsmanuskripte; Drucke, Photos; Hinweise auf den Nachlaßteil in Helsinki; Geschäftskorrespondenzen; Nachlässe anderer Familienmitglieder.   

Ein von Inge Auerbach und Peter Wörster bearbeitetes Findbuch zum Marburger Nachlaßteil mit einem ausführlichen Lebensbild steht kurz vor seiner Veröffentlichung.

Dorothee M. Goeze und Peter Wörster