Von vorschnellem Urteilen und der Reue - Immanuel Kant in einem kurländischen Stammbuch

Kant-Eintrag in das Stammbuch von Ernst J. A. v. Medem von 1791

Der Jurist Ernst Johann Alexander von Medem (1770-1842), aus Kurland stammend, krönte seine juristische Karriere mit dem Amt des Kanzlers bzw. Landhofmeisters des Oberhofgerichts. Er war Kurator des Katharinenstifts und Mitstifter der Kurländischen Gesellschaft für Literatur und Kunst (1815) in Mitau.
Im Jahre 1786 begann er, ein Stammbuch zu führen. Es handelt sich um eine Loseblatt-Sammlung mit gut 450 Blättern und Eintragungen, angefangen im Jahr 1786, endend mit dem Jahr 1840. Die meisten Eintragungen stammen aus der Studienzeit in Mitau und Leipzig. Doch "[a]n jedem der von ihm berührten Orte [war er] stets darauf bedacht, seine Autographen-Sammlung berühmter Wissenschaftler und Künstler seiner Zeit zu vermehren." So heißt es von ihm im Sitzungsbericht der Kurländischen Gesellschaft f. Literatur u. Kunst von 1896. Von einem Aufenthalt in Königsberg zeugt der Eintrag von Immanuel Kant, der hier einen von ihm gerne zitierten Satz schreibt. Johann Gottfried Seume und "Francesco" Danzi haben Medem in Leipzig die Ehre erwiesen, in Karlsbad schrieb sich Herzogin Dorothea von Kurland in das Stammbuch ein. Entsprechend den Kreisen, in denen sich Medem bewegte, treffen wir auf vielsprachige Einträge. Unterteilt ist die Blättersammlung in zwei Schuber mit den jeweiligen Aufschriften: "Aux Amis" und "Aux Amies", im letzteren befindet sich auch ein Eintrag von Caroline Herder von 1793, im o.g. Sitzungsbericht wohl fälschlicherweise ihrem Mann zugeordnet.
Das Stammbuch befindet sich im Bestand des Archivs der Kurländischen Ritterschaft, das als Depositum in der DSHI aufbewahrt wird.

Dorothee M. Goeze und Peter Wörster