Ein Bevölkerungsbild aus Westpreußen – die Westpreußischen Kontributionskataster des 18. Jhs., nicht nur für Genealogen

Bild des Archivale Februar 2009
Unterlagen für das Vorwerk Sikorzyn, Amt Karthaus (Sykorschin, Kr. Karthaus), mit Angaben über Personen und mit späteren Bearbeitungsspuren (links) und Bodenbeschaffung (rechts) (DSHI 120 Wpr. KK 180-11008 I)

Von den wenigen nicht-baltischen Quellen in der Dokumentesammlung (DSHI) stellen wir hier die Maschinenabschrift der Kataster der Friderizianischen Landesaufnahme von 1772/73 und 1793 vor (kurz „Westpreußische Kontributionskataster“). Sie wurden Ende der 1930er und Anfang der 1940er Jahre in Berlin anhand der im Geheimen Staatsarchiv befindlichen Ausfertigung der Kataster sowie anhand der Überlieferung aus dem Staatsarchiv Danzig angefertigt. Die Danziger Überlieferung ist seit Ende des Zweiten Weltkriegs verloren, die des Geheimen Staatsarchivs mit nur kleinen Verlusten erhalten und heute in Berlin benutzbar. Der größte Teil der ursprünglichen Berliner Überlieferung befand sich vom Ende des Zweiten Weltkrieges bis 1990 in Merseburg. In dieser Zeit bot die sekundäre Überlieferung der Marburger Abschriften die einzige freie und ungehinderte Benutzungsmöglichkeit. Nach der Wiedervereinigung gelangten die Merseburger Teile nach Berlin zurück. Bis 1990 waren die Marburger Abschriften sehr gefragt. Naturgemäß interessieren sich insbesondere Familienforscher für die in dieser Quelle enthaltenen Personen und Familien. Es ergaben sich quellenkritische Vergleiche von aus Kirchenbüchern gewonnenen Namen mit den in den Katastern enthaltenen Varianten: Schreibweisen von Namen in beiden Quellen können voneinander abweichen. Als nach 1990/91 die dann wieder zugänglichen Originale einzusehen waren, zeigte es sich, daß bei Anfertigung der Abschriften Ende der 30er Jahre Lese- bzw. Tippfehler aufgetreten sein mußten. Trotz dieses Mangels stützte sich eine Gruppe von Familienforschern in Deutschland und Amerika auf die Marburger Abschriften, um das darin enthaltene Namenmaterial möglichst vollständig den interessierten Forschern zu erschließen, was an den leichter lesbaren maschinenschriftlichen Abschriften rascher zu erledigen war. Auf die so entstandene Datenbank (http://www.odessa3.org/collections/land/wprussia/) wird hier trotzdem hingewiesen, um den auswärtigen Benutzern den Weg zu den Abschriften in Marburg und zur Originalüberlieferung im Geheimen Staatsarchiv in Berlin zu erleichtern.

Dorothee M. Goeze und Peter Wörster