„Und die Gottheit erscheint dem Gemüth...“

Blatt aus der Autographensammlung zu Herder in der Dokumentesammlung (DSHI)

Archivbestände zu Johann Gottfried Herder in der Dokumentesammlung, Herder als Namenspatron

Das Archiv des Herder-Instituts wird häufig gefragt, warum „die zentrale Institution der historischen Ostmitteleuropa-Forschung“ Herder-Institut heißt, wenn sie sich doch nicht mit der Erforschung dieser für die Geistesgeschichte Europas wichtigen Persönlichkeit und ihrem Nachwirken beschäftigt.
Den Namen Johann Gottfried Herders (1744-1803) führt das Institut über alle politischen Veränderungen der letzten Jahrzehnte hinweg von seiner Gründung 1950 an bis heute.
Wie kam es zu dieser Namengebung?
Der Herder-Forschungsrat wurde 1950 gegründet mit dem Ziel, „die durch den Verlust nahezu aller Forschungsstätten über Ostmitteleuropa und der bisherigen Publikationsorgane in doppeltem Sinne heimatlos gewordenen Forscher wieder zusammenzuführen und ihnen den Austausch ihrer Forschungsergebnisse und ihrer Forschungsvorhaben zu ermöglichen." (Fünfunddreißig Jahre Forschung über Ostmitteleuropa, Marburg 1985, S. VII).
Der Forschungsrat gründete noch im selben Jahr 1950 das Herder-Institut in Marburg als seine Sammlungs- und Forschungsstätte.
1952 schrieb Herbert Schlenger (1904-1968) über die gegenwartsbezogenen und historischen Aufgaben des Instituts und der damals neu gegründeten „Zeitschrift für Ostforschung“ (seit 1995: „Zeitschrift für Ostmitteleuropa-Forschung“) in seinem Geleitwort: "Der Geist, unter dem die Forscher, gleich welchem Volk sie angehören mögen, zur Erreichung dieses Zieles zusammengeführt werden sollen, sei der Geist Johann Gottfried Herders, in welchem die Deutschen einen Großen ihres Volkes verehren, die nicht-deutschen Völker Ost-Mitteleuropas aber den Erwecker ihres kulturellen Eigenlebens achten. Seine Auffassung vom Wesen der Völker und Kulturen sei das Leitbild der neuen 'Zeitschrift für Ostforschung'."
1956 schrieb Hermann Aubin (1885-1969), der erste Präsident des Herder-Forschungsrats, in einer Denkschrift an Bundespräsident Theodor Heuss: „Sie [die Gesellschaft des Herder-Forschungsrats] wählte sich ihren Patron, um mit der Weite und Vielfältigkeit, der inneren Anteilnahme, der Aufgeschlossenheit und dem Bemühen um nationale Gerechtigkeit, wie sie das Lebenswerk Herders kennzeichnen, den Leitgedanken dieser wissenschaftlichen Bemühungen deutlich zum Ausdruck zu bringen."
Die Dokumentesammlung des Herder-Instituts bewahrt den Nachlass des Herder-Forschers Hans Schauer (1889-1957) mit persönlichen Unterlagen und mit den Sammlungen zu seinen Forschungsthemen, insbesondere seiner Edition des Briefwechsels Herders. Hans Schauer legte auch eine umfangreiche Portraitsammlung Herders an (heute im Bildarchiv des Herder-Instituts). Aus dem kleinen Bestand an Herder-Autographen in der DSHI stammt die oben gezeigte Abbildung, die folgenden Wortlaut hat:

Und die Gottheit erscheint dem Gemüth. In allen Gestalten
siehet es sie, und denket in ihr, und genießet des Ewgen.

Dorothee M. Goeze und Peter Wörster