Ich bin Euer Wohlaffectionierter König

Aus einem Brief Friedrichs des Großen an Johann Gottlieb Sylvius von Poser, Potsdam 27. März 1776. Nachschrift des Königs: "Man mus erstlich alles mögliche probieren und wan das nicht hilft als dan an den abschiet Denken"

Briefe Friedrichs des Großen an seinen Adjutanten Johann Gottlieb Sylvius von Poser und Gr. Naedlitz

Die Dokumentesammlung des Herder-Instituts in Marburg verwahrt seit den 1970er Jahren als Depositum das Archiv der Familie von Poser und Groß Naedlitz aus Schlesien, deren Geschichte sich bis ins 13. Jh. zurückverfolgen läßt. Das Archiv besteht aus der Überlieferung verschiedener Generationen der Familie und erhält bis heute aus der Familie Ergänzungen.
Ein Vertreter dieser Familie, Johann Gottlieb Sylvius von Poser, wurde 1739 auf dem Gut Perschau, Kreis Groß-Wartenberg in Schlesien geboren und starb 1817 in Oels. Nach aktiver Teilnahme am Siebenjährigen Krieg stand ihm eine glänzende militärische Karriere im Dienste König Friedrichs bevor, der ihn zunächst 1763 an seinen Schwager, den Herzog Ferdinand von Braunschweig, vermittelte und dann selbst mehrfach beförderte – bis hin zum Major im Regiment der Gardes du Corps und Flügeladjutanten.
In der Dokumentesammlung sind 86 Briefe Friedrichs II. aus den Jahren 1767 bis 1776 überliefert, die meist in Potsdam, wenige in Berlin, einige auch in Breslau oder sonst auf Reisen des Königs ausgestellt wurden.
Diese „Briefe des Königs Friedrich II. an seinen Adjudanten Joh. Gottl. Sylvius von Poser und Gr. Naedlitz“ (so der goldgeprägte Titel auf dem Einbanddeckel) wurden noch vor dem Ersten Weltkrieg in Leder gebunden. Beigefügt wurden einige Konzepte von Briefen oder Eingaben v. Posers an den König.
Unterschiedliche Schriften weisen auf verschiedene Schreiber des Königs hin, bei etlichen Briefen ist Friedrichs eigene Hand erkennbar, wie es auch die oben abgebildete Bemerkung unter dem offiziellen Brief zeigt.
Unterschiedliche Anreden v. Posers durch den König lassen die Chronologie der Karriere genau erkennen: Briefe „an den Lieutenant“ in der Adressenangabe bleiben ohne Anrede, im Falle des Rittmeisters heißt es „mein lieber Rittmeister“, der Major wird mit „mein lieber Major“ angeredet, der „verabschiedete oder dimittierte“ Major ist dann: „bester besonders lieber Getreuer“.
Oben gezeigter Ausschnitt stammt aus der Zeit, als v. Poser mit 37 Jahren, also außergewöhnlich früh, seinen Abschied nahm und sich auf die Besitzungen in Schlesien zurückzog, eine Entscheidung, die Friedrich nicht voll und ganz unterstützen wollte. Die Briefe geben viel Einsicht in persönliche Verhältnisse, zeigen vor allem auch die stete Fürsorge des Königs für seine Offiziere, die ihm über viele Jahre in treuer Pflichterfüllung verbunden waren.
Die Briefe sind darüber hinaus eine bemerkenswerte Quelle für die politischen und militärischen Intentionen und Entscheidungen des Königs, und sie zeigen, inwieweit er einen seiner ranghöchsten Offiziere zur Vorbereitung oder Durchführung heranzog. Vielfach ging es in den Briefen um den Empfang von militärischen Berichten v. Posers an den König oder um Anforderungen solcher durch den König. Viele darin enthaltene Einzelheiten dürften unser Bild von der Herrschaftspraxis Friedrichs in der Zeit zwischen 1767 und 1776 präzisieren helfen. Gelegentlich finden auch aktuelle "weltgeschichtliche" Ereignisse wie etwa der Sieg der Russen über die Türken in der Schlacht bei Popesti 1772 Erwähnung.
Zu dem Bestand an Briefen gehört auch eine "Pferdeliste". Sie ist vor den Briefen in den Band eingefügt und nennt im einzelnen die von Friedrich an v. Poser geschenkten Pferde mit Angabe der Rasse und des jeweiligen Geschenkdatums. Auch sind einige familiengeschichtlichen Nachrichten in diese Liste eingestreut.

Dorothee M. Goeze und Peter Wörster