Patenbriefe und die freundliche Anteilnahme am Täufling

Außenseite eines Patenbriefs von 1820

Paten sind im Sinne der christlichen Kirchen Zeugen der Taufe eines Menschen, die neben den Eltern des Täuflings mit diesem Amt Mitverantwortung für die christliche Erziehung des Täuflings übernehmen, bis dieser selbst zu einer eigenen Überzeugung gekommen ist, wie er zum christlichen Glauben stehen wird.
Der Begriff Pate oder Patenschaft wird auch mit vielfältigen anderen Ämtern verbunden: Meistens sind es Beziehungen, innerhalb derer ein Mensch rechtliche und finanzielle Verantwortung für einen anderen Menschen übernimmt oder sich für die geistige Entwicklung und Bildung eines Menschen engagiert, der sich (noch) nicht selbst versorgen und orientieren kann.

Der Begriff Patenbrief (oder auch: Patenurkunde) steht heute meist für ein Dokument, das die Paten nach der Taufe erhalten. Neben der Erinnerung an die Taufe und dem Taufspruch für den Täufling werden dort Hinweise gegeben, welche Aufgaben der Pate oder die Patin gegenüber dem Patenkind hat und wie diese erfüllt werden können. Aus der Aufgabe des einfachen Bürgen bzw. Zubringers für einen erwachsenen Taufbewerber wurde mit Einführung der christlichen Kindstaufe eine erwachsene Person, die im Namen des Kindes bei der Taufe das Glaubensbekenntnis ablegt und Unterstützung für die christliche Erziehung verspricht. Es mag aber auch sein, daß es bei der Beziehung zwischen Paten und Patenkind nur um dieses geht: „In weiten Kreisen wird aber vom Paten nichts andres als freundliche Anteilnahme am Täufling erwartet.“ (Meyer 1928 „Pate“)

Eine andere Bedeutung des Patenbriefs begegnet uns in dem hier abgebildeten Stück: hierbei handelt es sich um ein Geschenk des Paten an das Patenkind. Generell hatten Geschenke an das Patenkind recht materiellen Charakter: silbernes Geschirr oder Besteck, Geld oder auch das Stiften des Taufkleides. Aber auch die geistige Unterstützung, die mit dem Patenamt verbunden ist, wurde berücksichtigt: Ein kleines Briefchen, wie es uns hier vorliegt, ist mit Bildern von christlichen Motiven ausgestattet und weist damit immer auf den Sinn der Taufe hin. Es enthält Sprüche, Bibeltexte und Segenswünsche, aber wiederum auch Geldgeschenke: Die sorgfältige Faltung des hier gezeigten Patenbriefes weist auf die gute Aufbewahrung eines solchen pekuniären Geschenkes hin.
Die gängigen Motive auf der Außenseite waren, wie hier zu sehen, die Geburt Jesu oder aber auch das Osterfest. Auf der Innenseite stehen persönliche Worte des Paten, die direkt an den Täufling gerichtet sind. Der Zusatz: „der / die bei deiner Geburt war“ kann heute durchaus geburtsurkundlichen Charakter haben.
Das gezeigte Motiv eines Patenbriefes stammt aus einem kleinen Bestand an Familienpapieren einer Familie Hoffmann aus Oberschlesien. Häufig auftretender Ortsname ist Tarnowitz. Die Familie war wohl über mehrere Generationen als Steiger in dieser Gegend im Bergbau tätig. Der Bestand an Familienpapieren umfaßt 25 Dokumente aus den Jahren 1784 bis 1853 und wurde 1976 der Dokumentesammlung des Herder-Instituts übergeben.
Der Bestand enthält Patenbriefe, die in der Regel handschriftlich und mit eigenen Zeichnungen versehen sind, z.T. auch mit gedruckten Bildern, die ihrer Zeit (Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert) entsprechend verziert und farbig koloriert sind.
Es finden sich im Bestand auch Zeugenbriefe der Paten bei der Konfirmation, für die es meist gedruckte Vorlagen gab. Hauptperson dieser Überlieferung scheint Carl Hoffmann zu sein. Von ihm gibt es auch ein Führungsattest von 1837 für die Friedrichsgrube, Kreis Beuthen, Regierungsbezirk Oppeln und einen Arbeitskontrakt von 1846, ausgestellt in Königshütte O/S.

Dorothee M. Goeze und Peter Wörster