Dienste von Michaelis bis Johannis

Seite aus dem Haupt-Urbarium der Herrschaft Klitschdorf (Schlesien)

Das Wort Urbar oder Urbarium bezeichnete ursprünglich ein Stück Land, später die Besitztümer auf diesem Gebiet, dann wird es zur Bezeichnung für ein Buch, das diesen Besitz aufführt bzw. Abgaben und Einnahmen verzeichnet, die aus diesem Besitz hervorgehen. Ein Urbarium wurde so zu einem Rechtsbuch, in das verbindliche Steuerlisten und Anordnungen für die Wirtschaftsführung und Dienstaufgaben der zur Herrschaft gehörenden Bauern, Handwerker und Arbeiter aufgeschrieben wurden. Es gibt keinen einheitlichen Typus eines Urbariums; so können einfache Listen neben ausführlicheren Texten stehen, so wie es im vorliegenden Fall des "Haupt-Urbariums von der Herrschafft Klitschdorff oder Wehrau", im Kreise Bunzlau der Fall ist. Die Herrschaft umfaßte mehrere Dörfer im Umkreis von Wehrau. Die Aufzeichnungen sind um ca. 1750 entstanden.
Unter der Kapitelüberschrift: "Was die Dienste anbetrifft überhaupt" stehen in einer bildhaften und damit auch deutlichen Sprache die Rechte und Pflichten der "Scholtzen und Bauern", aber auch der "Hausleuthe" aufgelistet, wie auf der oben abgebildeten Seite zu sehen, einmal für die Zeit der Ernte, dann aber auch für die Zeit nach der Ernte, von Michaelis (29. September) bis Johannis (24. Juni).

Dorothee M. Goeze und Peter Wörster