Aus den Kämpfen im Baltikum 1919/1920

Weihnachten 1919. Titelbild der Ausgabe 5 des 1. Jahrgangs, Weihnachten 1919, Zeichnung von Alfred von Lutzau (DSHI 120 BR/BLW 270)
Soldaten bändigen einen Pegasus. Titelbild der Ausgabe 3 des 1. Jahrgangs, vom 29.11.1919; Zeichnung von Herbert von Hoerner (DSHI 120 BR/BLW 270)

"Die Leuchtpistole" –  Zeitschrift der 3. Kompanie der Baltischen Landeswehr (BLW)

In der Dokumentesammlung (DSHI) des Herder-Instituts in Marburg hat sich eine wohl vollständige Sammlung der von November 1919 bis April 1920 erschienenen neun Ausgaben der Zeitschrift der 3. Kompanie der im November 1918 gegründeten Baltischen Landeswehr erhalten.
Alle Ausgaben der "Leuchtpistole" sind handschriftlich, hektographiert und umfassen zwischen 11 und 16 beidseitig beschriebene Blätter. Über die Höhe der "Auflage", also über die Anzahl der angefertigten Stücke pro Ausgabe, ist nichts bekannt.
Die in der DSHI vorhandenen Ausgaben stammen aus dem Besitz des verantwortlichen Redakteurs Theodor Kaull (geb. 26.8.1894 in Meldsern/Kurland), der im Juli 1919 Kompanieführer der 3. Kompanie der Baltischen Landeswehr wurde. Er schrieb in der „Leuchtpistole“ regelmäßig die politischen Leitartikel – von der ersten bis zur letzten Ausgabe.
Theodor Kaull bezeichnet Herbert von Hoerner als Herausgeber der "Leuchtpistole"; dieser wurde 1884 in Ihlen/Kurland geboren, wirkte dort später als Dichter, Schriftsteller und Porträtmaler. Er starb 1950 in Torgau. Von Hoerner war in der „Leuchtpistole“ Verfasser einiger umfangreicher, sehr grundsätzlicher Analysen der militärisch-politischen Situation im Baltikum 1919 und 1920. Außer diesen beiden Personen kennen wir aus einer den Ausgaben beiliegenden Liste noch weitere 13 Mitarbeiter dieser Zeitschrift.
Neben den beiden hier wiedergegebenen Abbildungen sind zahlreiche weitere "Kleinkunstwerke" (Zeichnungen, meist koloriert, wenige s/w) erwähnenswert, die mit zwei, drei Beispielen fast in jeder Ausgabe vorhanden sind. Jede Ausgabe zeigt auch ein Titelbild. Viele kolorierte Zeichnungen sind künstlerisch von besonderem Wert, stammen sie doch zumeist vom Maler Herbert von Hoerner.
Inhaltlich besonders bemerkenswert sind die "Wochenschauen" von Theodor Kaull, da in ihnen vieles über die jeweilige politische und militärische Situation, über das Tagesgeschehen und dessen Beurteilung, zu ersehen ist. Neben dem jeweiligen Leitartikel gibt es eine Serie über „Baltische Geschichtsbilder“, mehrere naturwissenschaftliche Beiträge, viel Literarisches (deutsche, speziell deutschbaltische Literaturgeschichte, Gedichte), philosophische Beiträge und Rätsel. Ferner ist eine Rubrik "Mitteilungen, Wünsche, Fragen" erwähnenswert. Erstaunlich ist die Breite der, mitten im Kriegsgeschehen, aufgegriffenen Themen. Eindringlich wird die Situation vor allem gebildeter junger Menschen deutlich, die aus einer friedlichen Welt in den Krieg zogen und nun schon im 5. oder 6. Kriegsjahr stehen.

Dorothee M. Goeze und Peter Wörster