Plakat zur Reisezeit: "eine herrliche Dampferfahrt" über das Frische Haff (Ostpreußen) 1934

Plakat aus dem Firmenarchiv Robert Meyhoefer, Königsberg/Pr. (1934)

Das Reisebüro Meyhoefer warb mit diesem Plakat für eine Dampferfahrt auf dem Frischen Haff von Königsberg nach Danzig.

Die Firma Meyhoefer, 1869 in Tilsit gegründet, war zunächst ein Speditionsunternehmen und beteiligte sich mit Dampfern an der Binnenschiffahrt von Tilsit über Labiau nach Königsberg.

1872 wurde der Firmensitz nach Königsberg verlegt, von wo aus der Warenumschlag zwischen dem Hochseehafen Königsberg und dem Hinterland effektiver zu organisieren war. Die Firma expandierte u.a. auch durch die Übernahme kleinerer Unternehmen und wurde in seinem Bereich in Ostpreußen rasch führend. Bald wurden Linien auch nach Danzig und nach Libau und Windau in Kurland befahren. 1896 trat Justus Haslinger als Mitinhaber in die Reederei ein, dessen Sohn Erich das Unternehmen bis 1945 führte.

Im Ersten Weltkrieg wirkte die Firma Meyhoefer auch in den von deutschen Truppen besetzten Gebieten des bis dahin russischen Litauen. Nach dem Vertrag von Versailles sorgte Meyhoefer - wie viele andere ostpreußische Unternehmen - für die Linderung bzw. Überwindung der negativen Folgen der Abtrennung der Provinz vom übrigen Reichsgebiet. Dazu gehörte die Gründung des "Seedienstes Ostpreußen". Im September 1920 brachte das Dampfschiff "Hertha", das zur Meyhoefer-Gruppe gehörte, prominente Gäste aus Politik und Wirtschaft zur Eröffnung der ersten "Ostmesse" von Stettin nach Königsberg. Der prominenteste Passagier war Reichspräsident Friedrich Ebert. In der Zeit zwischen den Weltkriegen betätigte sich Meyhoefer vor allem als Reisebüro. Es war das bedeutendste seiner Art in Ostpreußen.

Das Firmenarchiv Meyhoefer ist bei Kriegsende zwar nur in Teilen gerettet worden, diese geben aber einen guten Einblick in die Geschichte des Unternehmens und in seine verschiedenen Aufgabenbereiche. Der 1953 vom letzten Inhaber der Firma an das Archiv des Herder-Instituts übergebene Bestand zeugt von einer sehr überlegten Auswahl der aus Königsberg mitgenommenen Akten.

Dorothee M. Goeze und Peter Wörster