Geburtsbriefe - wichtige Quelle zur Bevölkerungsgeschichte

Der Geburtsbrief ist auf Pergament geschrieben (36,5 x 50 cm), das Siegel der Stadt Mitau / Kurland hängt in einer Holzkapsel an:

Geburtsbriefe sind "eine der wichtigsten Quellen für die Familienforschung" (so Roland Seeberg-Elverfeldt in: Ostdeutsche Familienkunde, Heft 3, 1981, S. 232). Sie sind Urkunden, die zahlreiche Informationen über eine Person enthalten. Zunächst einmal, wie ihr Name schon sagt, die Bestätigung der Geburt einer Person, die Nennung der Eltern und die Beglaubigung der ehelichen Geburt. Mit der Auskunft, daß man nicht leibeigen sei, konnte man auch in einer anderen Stadt als Bürger leben und in eine der Handwerkszünfte oder in weitere Ämter aufgenommen werden. Zwei Zeugen müssen dies vor einem Stadtgericht bezeugen. Die Städte sind demnach die Aussteller dieser Urkunden. Auch aus diesem Grunde wird der unten gezeigte Geburtsbrief innerhalb des Bestandes des Archivs der Kurländischen Ritterschaft unter "Städtesachen" geführt (Signatur: DSHI 190 Kurland X, Mitau 62). Insgesamt sind in diesem Bestand 150 Geburtsbriefe aus Kurland aus der Zeit zwischen 1608 und 1827 vorhanden, davon allein 79 aus Mitau. Regesten wurden von Roland Seeberg-Elverfeldt bearbeitet (vgl. Ostdeutsche Familienkunde Heft 4, 1980, S. 138-152 und Heft 3, 1981, S. 225-234, hier bes. 232).

Im folgenden Beispiel erscheint "Jacob Graff, Bürger und Kürschner", vor dem Mitauer Stadtsekretär, weil er "zur Wohlfahrt Beförderung seines Sohnes" den "gerichtlichen Schein und Beweiß seiner [des Sohnes] untadelhaften Geburth halben von nöthen hätte". Zwei auch namentlich in der Urkunde genannte Zeugen bestätigen, daß der Sohn "ächt und ehrlich, guter teutscher Herrkunft, niemand leibeigen und untertan erzeuget und gebohren worden, so daß Er solcher seiner untadelhaften Gebuhrt und Herrkunft wegen in alle ehrliche Ämmter, Zünfte und Innungen auf- und anzunehmen" sei.

Wir danken dem Vorsitzenden der Kurländischen Ritterschaft, Herrn Otto Baron v. Grotthuss, für die Abbildungserlaubnis.

Dorothee M. Goeze und Peter Wörster