Fremde Peripherie – Unsicherheitsperipherie? Die Podkarpatská Rus aus der Perspektive zentralstaatlicher Akteure (1918-38/39)

Quelle: Masarykův ústav a Archiv AV ČR, Archiv ÚTGM, fond T. G. Masaryk, sign. R, karton 401.

Bearbeiter: Sebastian Paul M.A. (2014-1017)

Im ersten Teilvorhaben soll untersucht werden, inwiefern staatliche sowie nicht-staatliche Akteure und Akteursgruppen in der Tschechoslowakei in der Zwischenkriegszeit sich auf zentralstaatlicher Ebene diskursiv mit der Podkarpatská Rus als östlichste Peripherie des Staates unter dem Aspekt von Sicherheitskonzepten auseinandersetzten und wie diese Diskurse miteinander verschränkt wurden. Bei dem ausgewählten Gebiet handelt es sich um ein Territorium, das sich der  tschechoslowakische Staat nach dem Ersten Weltkrieg im Zuge militärischer Auseinandersetzungen angeeignet hatte und dessen innen- wie außenpolitische Situation als prekär eingeschätzt wurde. Dieses aus dem Zentrum heraus als rückständig beschriebene Grenzgebiet, in dem mit einer in bedeutenden Teilen illoyalen Bevölkerung gerechnet wurde, wurde als potenziell konfliktreich wahrgenommen. Auch war dieser Landesteil Gegenstand irredentistischer und revisionistischer Strömungen, die sich für den Gesamtstaat ein existenzielles Sicherheitsproblem darstellten, dem von zentralstaatlicher Ebene aus mit unterschiedlichen Handlungskonzepten begegnet wurde. Ziel dieses Teilvorhabens ist es, anhand des im SFB „Dynamiken der Sicherheit“ verwendeten methodischen Zugangs der Versicherheitlichung (securitization) zu untersuchen, wie aus zentralstaatlicher Perspektive diese Sicherheitsproblematiken wahrgenommen, diskutiert und ihnen durch politisches Handeln begegnet wurde. Dabei wurde auf das Wissen von Sicherheitseliten zurückgegriffen (Historiker, Juristen, Ethnologen etc.), deren Rückwirkungen auf die Regierungspolitik in Prag ebenso berücksichtigt werden sollen wie der Einfluss medialer Diskurse, wobei hier von einer Verschränkung von medialen und fachwissenschaftlichen Debatten und einer Überschneidung von Akteuren und Akteursgruppen ausgegangen wird.