Polen, Deutsche und Kaschuben. Alltag, Brauchtum und Volkskultur auf dem Gut Hochpaleschken in Westpreußen um 1900 / Polacy, Niemcy i Kaszubi: Życie codzienne, obyczaje i kultura ludowa w Prusach Zachodnich ok. 1900 r.

Eine Ausstellung des Herder-Instituts Marburg und des Brüder-Grimm-Museums Kassel.

Polen, Deutsche und Kaschuben. Alltag, Brauchtum und Volkskultur auf dem Gut Hochpaleschken in Westpreußen um 1900 / Polacy, Niemcy i Kaszubi: Życie codzienne, obyczaje i kultura ludowa w Prusach Zachodnich ok. 1900 r.
Plakat zur Ausstellung

Die im Jahr 1997 vom Herder-Institut Marburg in Kooperation mit dem Brüder-Grimm-Museum Kassel erstellte und daraufhin an vielen Orten Deutschlands und Polens gezeigte sowie schließlich zum EU-Beitritt Polens am 1. Mai 2004 ans Kaschubische Freilichtmuseum als Dauerleihgabe übergebene Fotoausstellung gibt eine eindrucksvollen und künstlerisch anspruchsvollen Einblick in das Leben in einem charakteristischen Teil Westpreußens, der Kaschubei, vor gut 100 Jahren. Westpreußen ist eine überaus interessante wie auch problematische Region Ostmitteleuropas: Die mehrfach wechselnde staatlich-politische Zugehörigkeit seit dem Mittelalter bis in unsere Zeit sowie die ethnische, nationale und kulturelle Vielschichtigkeit machen diese Region „zwischen Deutschen und Polen“ zu einem Paradigma der komplizierten deutsch-polnischen Beziehungen.

Die Fotografien sind eine Auswahl aus einem Sonderbestand, den das Herder-Institut von den Nachfahren des Alexander Treichel erworben hat. Es handelt sich um ca. 200 Aufnahmen aus der Zeit von ca. 1890-1900, die das Leben und die Arbeit im Ablauf der Jahreszeiten auf dem westpreußischen Gut Hochpaleschken/Wilcze Błota im Kreis Berent/Kościerzyna zeigen, daneben aber auch Nachbargüter wie Altbukowitz, Altkischau, Schloß Kischau und andere. Dargestellt sind vor allem der Rittergutsbesitzer Alexander Treichel, seine Familie und die auf seinem Gut beschäftigten Inspektoren, Arbeiter und Bediensteten beim Verrichten von Arbeiten und bei Festlichkeiten.

In der von Alexander Treichel um 1900 veranlassten fotografischen Dokumentation scheint regelrecht ein idyllischer Gegenentwurf zu den für die Vergangenheit angedeuteten problematischen Aspekten des Zusammenlebens und der schwierigen Nachbarschaft von verschiedenen Völkern und Kulturen, von ethnisch, sprachlich und konfessionell verschiedenen Bevölkerungsgruppen vorzuliegen. Die Aufnahmen beschwören geradezu die friedliche Koexistenz von Polen, Deutschen und Kaschuben – letztere als eine Art Minderheit.

Begleitend zur Ausstellung mit ihren erläuternden Texten in deutscher, polnischer und kaschubischer Sprache wurde von den Kuratoren Bernhard Lauer und Hanna Nogossek ein reichbebilderter Katalog in deutscher und in polnischer Sprache herausgegeben. Diese – in ihrer deutschsprachigen Version bereits vergriffene – Publikation enthält Textbeiträge zur Geschichte und Landeskunde Westpreußens, zu den Gutshöfen in der Region und zu Alexander Treichels Person und Tätigkeit sowie auch zur Kultur, Literatur und Sprache der Kaschuben.

Termine dieser Ausstellung

06.11.2010 – 28.11.2010
Haus der Begegnungen mit der Geschichte, Warschau
05.02.2009 – 25.03.2009
Bezirksmuseum "Stanisław Staszic", Schneidemühl
Kaschubischer Ethnographischer Park, Wdzidze