Umgang der deutschen Bevölkerung des Reichsgaus mit Polen

Der Reichsstatthalter im Reichsgau Wartheland schickt an den Höheren SS- und Polizeiführer in Posen Richtlinien zur strikten Trennung von deutscher und polnischer Bevölkerung im Reichsgau Wartheland, 25.9.1940

Der Reichsstatthalter                             Posen, den 25. September 1940

____ I/8__

141/2-1

An den

Höheren SS- und Polizeiführer beim Reichsstatthalter

in Posen

Fritz Reuterstr. 2 a

Nachrichtlich an: a/ alle Abteilungen im Hause

alle nachgeordneten und unterstellten Behörden, Militärbehörden sowie sonstigen Behörden in der Gaustufe. /Verteiler IV/ /450 Abdrucke/

b/ Die Gauleitung der NSDAP, mit je 1 Abdruck für die Gaudienststellen, Beauftragten, Gliederungen und Kreisleitungen, / 45 Abdrucke/

Betrifft: Umgang der deutschen Bevölkerung des Reichsgaues Wartheland mit Polen.

In der politischen Linie des Reichsgaues Wartheland ist der Grundsatz der Trennung von Deutschtum und Polentum von Anfang an ständig beobachtet worden. Diese klare Trennungslinie gegenüber dem Polentum wird infolge des engen Zusammenlebens der deutschen Bevölkerung im Reichsgau Wartheland mit einer heute noch weit überwiegend polnischen Bevölkerung in zahlreichen Einzelfällen überschritten. Es wird erst im Verlauf einer längeren Erziehungs- und Aufklärungsarbeit möglich sein zu erreichen, dass jeder deutsche Volksgenosse dem Polentum gegenüber ein der nationalen Würde entsprechendes und nach den Zielen der deutschen Politik richtiges Verhalten einnimmt. Auch bevor diese Haltung gegenüber dem Polentum jedem Volksgenossen etwas Selbstverständliches geworden ist, ist es notwendig, dass der Verkehr mit Polen sich unbedingt auf das dienstlich und wirtschaftlich notwendige Mass beschränkt. Da die polnischen Arbeitskräfte zur Zeit noch nicht zu entbehren sind, ist ein tägliches Zusammensein zwischen deutschen und polnischen Angehörigen eines Betriebes noch nicht zu vermeiden. Ebenso ist infolge des Mangels an Wohnungen und an Hauspersonal, die Nachbarschaft mit Polen, oder gar das Zusammenwohnen in einer Wohnung zur Zeit noch nicht zu umgehen. Es ist daher notwendig, die deutsche Bevölkerung durch geeignete Massnahmen auf die Notwendigkeit eines unbedingt einzuhaltenden persönlichen Abstandes von polnischen Volkszugehörigen hinzuweisen. Ich halte eine weitergehende Unterstützung dieser Aufklärungsbestrebungen durch die Ihnen unterstehenden Dienststellen und Organe für äusserst wünschenswert. Unter Bezugnahme auf eine Besprechung zwischen dem Inspekteur der Sicherheitspolizei und des SD., dem Leiter der Staatspolizei-Leitstelle und meinem Sachbearbeiter für Volkstumsfragen bitte ich daher, Ihre nachgeordneten Dienststellen anzuweisen, in Übereinstimmung mit der bereits bisher geübten Praxis künfig allgemein nach folgenden Richtlinien zu verfahren:

  1. /    Deutsche Volkszugehörige, die über das dienstlich oder wirtschaftlich notwendige Mass hinaus Umgang mit Polen pflegen, werden in Schutzhaft genommen. In schweren Fällen, besonders dann, wenn der deutsche Volkszugehörige durch den Umgang mit Polen das deutsche Reichsinteresse erheblich gefährdet hat, kommt Überführung in ein Konzentrationslager in Betracht.
  2. /    Als Nichteinhaltung des gebotenen Abstandes gilt unter allen Umständen die Aufrechterhaltung eines wiederholten freundschaftlichen Verkehrs mit Polen. Ausgenommen davon ist nur der Umgang mit Blutsverwandten eines fremdvölkischen Ehegatten. Deutsche Volkszugehörige, die durch eine Polizeistreife in der Öffentlichkeit mit fremden Volkszugehörigen angetroffen worden, haben sich auf Verlangen über die berufliche Veranlassung ihres gemeinsamen Auftretens mit Polen auszuweisen.
  3. /    Deutsche Volkszugehörige, die in der Öffentlichkeit oder im persönlichen Umgang mit Polen angetroffen werden, ohne dass eine glaubhafte dienstliche Veranlassung dazu vorliegt, können in Schutzhaft genommen werden. Deutsche Volkszugehörige, die mit Polen geschlechtlich verkehren, werden in jedem Falle in Schutzhaft genommen. Polnische weibliche Personen, die sich mit deutschen Volkszugehörigen im Geschlechtsverkehr einlassen, können einem Bordell zugewiesen werden. Kann im Einzelfall, insbesondere in leich­teren Fällen, das Ziel der Aufklärung und Erziehung der deutschen Volkszugehörigen durch Belehrung und Verwarnung erreicht werden, so kann es nach dem Ermessen des Inspektuers der Sicherheitspolizei und des SD. oder eines Beauftragten dabei sein Bewenden haben.
  4. /    Sofern es sich um Jugendliche unter 16 Jahre handelt, trifft die vorstehende Bestimmung für den Umgang mit Polen die Erziehungsberechtigten. Die Jugendämter sind von Inschutzhaftnahmen zu unterrichten.
  5. /    Gegen Beamte, die sich eines Verstosses im Sinne der obenstehenden Richtlinien schuldig machen, ist neben den Massnahmen gemäss Ziffer 1-5 unverzüglich von der durch Meldung zu benachrichtigenden Dienstelle Antrag auf Einleitung des Dienststrafverfahrens bei der zuständigen Behörde zu stellen. Über jeden derartigen Fall ist ausserdem meiner Behörde zu berichten.

Greiser

Beglaubigt

gez. Unterschrift

Kanzleivorsteher.

157a/X/1940

(AGK, Reichsstatthalter 285, Bl 1 - Rs.)

Source
Umgang der deutschen Bevölkerung des Reichsgaus mit Polen, in: Hansen, Georg (Hrsg.): Schulpolitik als Volkstumspolitik. Quellen zur Schulpolitik der Besatzer in Polen 1939-1945, Münster 1994, S. 36-38. 
Copyright
Distribution and reproduction only for scientific purposes. 
Created
05.06.2012 
Changed
18.04.2018 

Es wird empfohlen, die Quellen stets in der Originalsprache zu zitieren.

Umgang der deutschen Bevölkerung des Reichsgaus mit Polen in: Herder-Institut (Hrsg.): Dokumente und Materialien zur ostmitteleuropäischen Geschichte. Themenmodul "Deutsche Besatzungspolitik in Polen 1939-1945", bearb. von Markus Roth. URL: https://www.herder-institut.de/en/resolve/qid/1062.html (Zugriff am 12.07.2020)