Zeitungsartikel „180 Dörfer werden wieder deutsch“

Die Krakauer Zeitung schreibt am 4.6.1942 „180 Dörfer werden wieder deutsch“

180 Dörfer werden wieder deutsch

Ein Kalender für die deutschen Kolonisten des Zamoscer Landes

Lublin, 4. Juni

Die deutschen Kolonisten, die in den Dörfern das Zamoscer Landes im Distrikt Lublin seit Generationen wohnen und heute dem deutschen Volke und der deutschen Kultur wiedergewonnen werden, haben eine lange und trotz der bäuerlichen Abgeschlossenheit ihres Lebens bewegte Geschichte hinter sich.  Vor 160 Jahren folgten sie dem Ruf des österreichischen Kaisers, der Galizien, zu dem damals der Kreis Zamosc gehörte, mit Deutschen besiedeln wollte, und verließen ihre Heimat, die Saarpfalz, um auf Bauernwagen zur Donau, dann auf Schiffen nach Wien und schließlich von der Kaiserstadt in mühseligem Treck in das neue Land zu reisen, wo sie in Gruppen von 10 bis 25 Familien auf die einzelnen Dörfer verteilt wurden und je etwa 40 Morgen Acker, 10 Morgen Wiese, ein Haus, sowie einiges Vieh und Arbeitsgerät erhielten. Waren sie so wirtschaftlich zunächst nicht schlecht gestellt, machte man es ihnen doch schwer, ihrem Volkstum treu zu bleiben, denn bereits 20 Jahre nach ihrer Ansiedlung wurde der Kreis Zamosc von dem österreichisch bleibenden Galizien abgetrennt, so daß die deutschen Kolonisten ohne die ihnen ursprünglich versprochenen deutschen Kirchen und Schulen und damit also ohne die feste Stütze für ihr Deutschtum blieben, die Verbindung mit ihrer alten Heimat verloren und im Reich selbst vergessen wurden.

Nach der Errichtung des Generalgouvernements nahm man sich  auch dieser deutschen Kolonistensiedlung an, in die nun nach einem Jahr mühsamer, eifriger Volkstumsarbeit wieder deutsches Leben eingekehrt ist. Diese Arbeit spiegelt sich in einem im Auftrage des SS und Polizeiführers im Distrikt Lublin von SS-Untersturmführer Lothar v. Seltmann in Zusammenarbeit mit der Abteilung Propaganda im Amt des Distrikts Lublin herausgegebenen „Deutschen Kolonisten-Kalender für die deutschen Siedlungen des Zamoscer Landes im Distrikt Lublin auf das Jahr 1942/43“. Nicht nur Herkunftsheimat und Ansiedlung dieser Deutschen, sondern vor allem jenes eine Jahr Dorfarbeit , das ihrer Wiedergewinnung gewidmet war, sind hier dargestellt. Die Betreuungsarbeit begann im November 1940 mit einer Bestandsaufnahme der Deutschstämmigen durch HJ-Führer und Sonderdienstmänner, die etwa 600 Familien feststellten, denen nun durch sogenannte Einsatzgruppen, die aus einem Volksdeutschen als Schulhelfer und Dolmetscher sowie zwei reichsdeutschen BDM-Führerinnen als Dorfhelferinnen bestanden, die deutsche Sprache, deutsche Kultur, deutsche Lebensart und deutsche Arbeitsweise wiedergebracht wurden. Ende des Jahres 1941 arbeiteten diese Einsatzgruppen außer im Zamosc selbst bereits in 20 Dörfern in der Umgebung der Kreisstadt und betreuten außerdem weitere in der Nähe liegende Siedlungen, so daß heute etwa 180 Dörfer in diese Volkstumsarbeit einbezogen sind, die rund 1730 Familien mit 7800 Menschen erfaßt.

Die Tätigkeit der Einsatzgruppe erstreckt sich in erster Linie auf der Einrichtung deutscher Schulen sowie regelmäßige Abendkurse für due Erwachsenen und auf die Gründung von Kindergärten. Vor allem gilt es die deutschen Sprachkenntnisse zu pflegen und zu fördern, die nur noch in einzelnen Dörfern, dort aber noch im alten Pfälzer Dialekt vorhanden waren. Daneben betreuen die Einsatzgruppen die Deutschstämmigen ihrer Dörfer u.a. durch regelmäßige Hausbesuche in allen Fragen des täglichen Lebens. Ihre Arbeit findet die Unterstützung der Kreishauptmänner in Zamosc und Bilgoraj, darüber hinaus auch der höheren Verwaltungsstellen. Ferner hat der Gauverband Westmark des Volksbundes für das Deutschtum im Ausland das Zamoscer Land zu seinem Patenschaftsgebiet erklärt, die Herkunftsheimat sorgt also wieder für ihre einst nach Osten gezogenen Söhne.

Monatlich erscheinende „Kolonistenbriefe“ erleichtern den Deutschstämmigen das Hineinfinden in die große deutsche Gemeinschaft, deren wertvolle Glieder sie wieder werden sollen. Auch der „Kolonistenkalender“, der neben einem Kalendarium in einfacher Form Ratschläge für den Bauern, für die Hausfrau und Mutter, Märchen und Geschichten für Kinder und einigen Lesestoff für den Feierabend enthält, stellt eine wertvolle Hilfe für diese Menschen dar, sich wieder in der Welt der Deutschen zurechtzufinden, die ihnen so lange entfremdet war. Seine Bilder, Verse und Aufsätze – diese oft zweisprachig – werden die Volkstumsarbeit der Einsatzgruppe in mancher Weise ergänzen können. 

Source
Zeitungsartikel „180 Dörfer werden wieder deutsch“, in: Krakauer Zeitung, 4.6.1942 
Copyright
Distribution and reproduction only for scientific purposes. 
Created
31.05.2012 
Changed
26.06.2018 

Es wird empfohlen, die Quellen stets in der Originalsprache zu zitieren.

Zeitungsartikel „180 Dörfer werden wieder deutsch“ in: Herder-Institut (Hrsg.): Dokumente und Materialien zur ostmitteleuropäischen Geschichte. Themenmodul "Deutsche Besatzungspolitik in Polen 1939-1945", bearb. von Markus Roth. URL: https://www.herder-institut.de/en/resolve/qid/1046.html (Zugriff am 26.05.2020)